Fünf Familien, ein Ziel: die Geburtsstunde einer Rioja-Legende
Am 10. Juli 1890 gründeten fünf riojanische und baskische Familien im Barrio de la Estación von Haro die Sociedad Vinícola de La Rioja Alta — direkt neben dem neu eröffneten Bahnhof, der den Export in die phylloxera-verwüsteten Märkte Nordeuropas erst ermöglichte. Den Vorsitz übernahm Doña Saturnina García Cid y Gárate, eine der ersten Frauen in dieser Rolle im spanischen Weinbau. Als ersten Kellermeister holten die Gründer den Franzosen Albert Vigier, dessen erste Cuvée — die Reserva 1890 — den Grundstein für das legte, was heute als Gran Reserva 890 in die Weinwelt geht. 1904 fusionierte die Bodega mit dem Weingut von Mitgründer Alfredo Ardanza und gewann damit Zugang zu einigen der besten Lagen der Rioja Alta. Beide Gründungsdaten leben in den Flaggschiff-Weinen fort: Die „890" und die „904" tragen die Jahreszahlen ihrer Entstehung — ohne die erste Ziffer, um Verwechslungen mit dem Jahrgang zu vermeiden. Bis heute befindet sich die Bodega im Besitz der Gründerfamilien.
Eigene Reben, eigene Fässer, manuelle Ablage alle sechs Monate
La Rioja Alta verarbeitet ausschließlich Trauben aus bodeneigenem Anbau. Die Weinberge auf kalk- und eisentonhaltigen Böden rund um Haro, Briñas, Labastida und Villalba werden konsequent selbst bewirtschaftet; Zukauf findet nicht statt. Im Keller prägt die hauseigene Küferei den Stil: Das amerikanische Eichenholz wird am eigenen Standort mehrere Jahre getrocknet, bevor es zu Fässern verarbeitet wird, in denen die Weine alle sechs Monate manuell abgezogen werden — eine Praxis, die Oxidation dosiert und der Weinstruktur Zeit zum Atmen lässt. Rund 30.000 Fässer stehen permanent im Einsatz. Gran Reservas erscheinen nur in Ausnahmejahrgängen und erst nach vollständiger Reife im Keller — der 904 verbringt vier Jahre im Holz, der 890 volle sechs.
Nachhaltigkeit ist kein nachträgliches Bekenntnis: Die Bodega betreibt eine Solaranlage in Álava, die jährlich über 41 Tonnen CO₂ kompensiert, setzt auf Biotechnik statt Chemie zur Schädlingskontrolle und hat 16 Hektar auf 100 % ökologischen Anbau umgestellt. Das Artisanal Vineyards-Projekt sichert jahrhundertealte Einzelparzellen, die sonst dem Vergessen anheimfallen würden. Die Bodega trägt das Zertifikat Wineries for Climate Protection. Über die Initiative Viña Ardanza Solidario flossen bislang mehr als zwei Millionen Euro in landwirtschaftliche Projekte in Entwicklungsländern.
Klassischer Rioja-Stil: Tempranillo, amerikanische Eiche, langer Atem
Das Sortiment von La Rioja Alta steht für einen klar definierten Stil: Tempranillo-dominiert, ausgebaut in amerikanischer Eiche, mit Tanninen, die Zeit brauchen und mit Zeit belohnen. Der Gran Reserva 904 — 90 % Tempranillo, 10 % Graciano — zeigt nach vier Jahren Fassreife Aromen von Zigarrenkiste, Teeblatt, Vanille und dunklen Gewürzen, getragen von seidigen Tanninen und einer Frische, die langes Lagerpotenzial signalisiert. Der Gran Reserva 890, mit einem kleinen Anteil Mazuelo, verbringt sechs Jahre im Holz und entwickelt eine noch dichtere, strukturiertere Frucht: kandierte Zwetschge, Zedernholz, Zimt und Kakao, der Abgang lang und mineralisch. Beide Weine werden unfiltriert in die Flasche gebracht. Ergänzt wird das Rioja-Sortiment durch die Viña Ardanza, eine Tempranillo-Garnacha-Cuvée mit mehr Fülle und Wärme, sowie durch Weine der Schwesterbodegas Áster in der Ribera del Duero und Lagar de Fornelos in den Rías Baixas — jede eigenständig, alle der gleichen Philosophie verpflichtet: Geduld als Handwerk.