Zwei Familien, eine Weinpresse, zwei Jahrhunderte Albig
Die Geschichte von Jung & Knobloch beginnt urkundlich im Jahr 1813, als Konrad Knobloch eine markante Weinpresse erwarb, die bis heute auf dem Hof steht und im stilisierten Logo des Weinguts weiterlebt. Der älteste Weinfass im Keller datiert auf 1893; 1915 pflanzte Adalbert Jung gemeinsam mit dem Rebenzüchter Georg Scheu im Versuchsanbau erstmals die Neuzüchtung Scheurebe — damals noch unter der Versuchsbezeichnung S88. Philipp Ludwig Knobloch wurde später Gründungsmitglied der Winzergenossenschaft Albig und trug bis zu seinem Tod die Mitgliedsnummer 1. Aus diesen beiden rheinhessischen Familiensträngen wuchs das heutige Weingut in Albig heran, das heute in sechster Generation von Melanie und Tobias Jung geführt wird.
Die Weinberge in und um das Weindorf Albig gehören der Familie teils seit mehr als 200 Jahren — eine Kontinuität, die den Blick auf Boden und Lage schärft. Die beiden Einzellagen Albiger Hundskopf und Albiger Schloss Hammerstein prägen das Weingut bis heute: Der Hundskopf liegt auf einem Südwesthang aus Kalkstein und Mergel mit hohem Tonanteil, die Lage Schloss Hammerstein geht auf Überlieferungen zurück, die bis in die Römerzeit reichen — in der Nachbargewann wurden Reste einer römischen Villa rustica entdeckt. Seit 1998 verbinden unterirdische Katakomben die ehemals getrennten Familienbetriebe miteinander.
Nachhaltigkeit als Haltung, nicht als Marketingversprechen
Jung & Knobloch ist nach dem FAIR'N GREEN-Standard zertifiziert, dem ganzheitlichen Nachhaltigkeitssiegel der deutschen Weinbranche. Das bedeutet konkret: kein Einsatz von Insektiziden, Nutzung von Grünstrom, Leichtglasflaschen, Brachflächen mit Bienenwiesen und der konsequente Einkauf bei regionalen Lieferanten. Im Keller gilt das Prinzip des freien Falls — Trauben und Most werden ohne Pumpen bewegt, um das Material zu schonen. Bereits in den 1970er-Jahren führte Reinhard Knobloch diese schonende Traubenannahme ohne Pumpvorgang ein, lange bevor sie zum Standard wurde. Für sein Engagement als Ausbildungsbetrieb wurde das Weingut 2014 mit der Bundesauszeichnung Ausbildungsbetrieb des Jahres geehrt, 2017 folgte der regio-effekt-Preis.
Das Wirtschaften auf Böden, die seit Generationen derselben Familie gehören, prägt die Haltung im Weinberg: Achtsamkeit gegenüber dem Boden und Verantwortung für die, die nach einem kommen. Kellertechnische Innovation und dieser generationelle Blick schließen sich bei Jung & Knobloch nicht aus — sie bedingen einander.
Fruchtbetonte Weißweine, kräftige Rote und eine Eiswein-Tradition seit 1979
Auf rund 54 Hektar Rebfläche rund um Albig wachsen 21 Rebsorten — von Riesling und Bacchus über Scheurebe, Kerner und Huxelrebe bis zu Spätburgunder, Portugieser und Regent. Die kalkhaltigen Böden mit Tonanteilen, geformt von einem urzeitlichen Meer vor 20 Millionen Jahren, geben den Weißweinen eine klare mineralische Linie, die frische Frucht und Struktur verbindet. Die Roten zeigen Wärme und Körper, ohne ihre Herkunft zu verstecken. Das Sortiment reicht von trocken bis edelsüß; Eisweine aus dem Albiger Hundskopf gehören seit 1979 zu den überregional bekannten Spezialitäten des Hauses. Wer Weine mit klarem Sortenprofil, rheinhessischer Bodenhaftung und einer langen Familiengeschichte im Glas sucht, ist hier am richtigen Ort.