Vom Cromarty Firth in die Welt: 1839 bis heute
The Dalmore steht seit 1839 an der Nordküste des Cromarty Firth, rund 20 Meilen nördlich von Inverness — ein Ort, den Gründer Sir Alexander Matheson bewusst abseits bestehender Handelswege wählte. Matheson war Kaufmann und Parlamentsmitglied, der sein Kapital auf Reisen durch Asien aufgebaut hatte und nun einen eigenen, kompromisslosen Single Malt schaffen wollte. Schon früh ließ er ungewöhnlich geformte Brennblasen bauen und experimentierte mit Fasslagerung, als das in Schottland noch keiner Norm entsprang.
1867 übernahmen die Brüder Andrew und Charles Mackenzie den Betrieb. Sie brachten nicht nur frisches Kapital und ein weitreichendes Händlernetzwerk mit, sondern auch ihr Familienwappen: den 12-zackigen Königshirsch, den Clan Mackenzie seit 1263 führt — als Lohn dafür, dass Vorfahre Colin of Kintail König Alexander III. vor einem angreifenden Hirsch rettete. Seitdem ziert das Emblem jede Flasche. Die Destillerie blieb bis 1960 in Familienhand, bevor Whyte & Mackay übernahm, die heute zum philippinischen Konzern Emperador Inc. gehören.
Handarbeit, Fasskunst und eine Partnerschaft seit über einem Jahrhundert
Was Dalmore technisch auszeichnet, beginnt bereits an den Brennblasen: Acht Kupfer-Pot-Stills in zwei Gebäuden, asymmetrisch in Größe und Form, mit flachen Deckeln bei den Wash Stills und wassergekühlten Hälsen bei den Spirit Stills — eine Konstruktion, die ungewöhnlich viel Kupferkontakt und Rücklauf erzwingt. Das Ergebnis ist ein voluminöser, ölig-reicher New Make, der lange Reifezeiten nicht nur verträgt, sondern verlangt. Die Temperaturen und Schnittzeiten werden bis heute manuell reguliert.
Das Rückgrat des Stils ist die Fassstrategie. Seit über einem Jahrhundert bezieht Dalmore Sherryfässer von González Byass in Jerez — darunter die Matusalem-Oloroso-Butts, die mindestens 30 Jahre mit Sherry belegt waren, bevor sie nach Alness kommen. Das neue Destillat reift zunächst in amerikanischen White-Oak-Ex-Bourbon-Fässern, bevor es in Sherry- oder Weinfässer wechselt. Portwein-Pipes von Graham's in Porto, Madeira-, Marsala- und Cabernet-Sauvignon-Fässer sowie Casks aus Bordeaux und Châteauneuf-du-Pape ergänzen das Portfolio. Diese Praxis der Mehrfach-Reifung geht auf die Mackenzies zurück: Sie brachten 1891 einen 23-jährigen Whisky auf den Markt, der elf Jahre in Sherryfässern ausgebaut worden war — zu einer Zeit, als das in Schottland nahezu unbekannt war.
Ein Sortiment, das Fassreifung als Handwerk begreift
Im Sortiment bei Vinoscout findest du vier Ausdrücke, die zeigen, wie konsequent Dalmore diesen Ansatz durchzieht. Der 12 Years kombiniert Ex-Bourbon-, Oloroso-Sherry- und Pedro-Ximénez-Fässer: Orangenmarmelade, Zimt, dunkle Schokolade, ein Hauch Zedernholz. Der 15 Years setzt stärker auf Sherryfass-Anteil und gewinnt an Gewürzdichte und getrocknetem Fruchtfleisch. Der Cigar Malt Reserve wird als letzten Schritt in Barriques aus Château Haut-Marbuzet in Saint-Estèphe ausgebaut — Rotweinholz, das dem Whisky eine tannische Struktur und dunkle Beerenfrucht mitgibt. Und der Port Wood Reserve verbringt seinen Abschluss in Portweinfässern, was Trockenfrüchte, Karamell und einen langen, leicht süßlichen Abgang ergibt. Alle vier passen zum Abend nach dem Essen, pur oder mit einem Stein Eis — dann, wenn man Zeit hat, dem Fass zuzuhören.