Sechs Generationen auf dem Plateau von Pomerol
Die Geschichte von Château Gombaude-Guillot beginnt 1868, als das Gut der Familie Bélevier als Mitgift zur Hochzeit von Marie Bélevier und Pierre Darbeau weitergegeben wurde. Die Béleviers waren zu dieser Zeit bereits seit Generationen als Winzer in Pomerol und Néac verwurzelt – wie weit die Familiengeschichte tatsächlich zurückreicht, lässt sich nach eigenen Angaben des Weinguts nicht mehr genau rekonstruieren. Das heutige Château-Gebäude wurde 1922 auf dem Anwesen errichtet; zuvor diente das Ensemble als lokales Café, in dem sich die Dorfbewohner nach dem Sonntagsgottesdienst zum Wein trafen. Den Namen trägt das Gut nach den beiden Parzellen, aus denen es sich zusammensetzt: Gombaude und Guillot. Heute leitet Claire Laval-Techer, Urenkelin von Marie Bélevier, das Weingut gemeinsam mit ihrem Sohn Olivier Techer – der sechsten Generation in direkter Linie.
Pioniere des Biolandbaus in Bordeaux
1983 übernahm Claire Laval die Leitung des Betriebs. Als ausgebildete Agraringenieurin rückte sie das Terroir von Anfang an in den Mittelpunkt ihres Denkens. In den frühen 1990er-Jahren begann das Gut als erstes in der Appellation Pomerol mit biologischer Bewirtschaftung – zu einer Zeit, als diese Entscheidung in Bordeaux noch als radikal galt. Die offizielle Ecocert-Zertifizierung folgte mit dem Jahrgang 2000, die biodynamische Zertifizierung 2006. Damit ist Château Gombaude-Guillot bis heute das erste biodynamisch zertifizierte Gut der Appellation Pomerol.
Im Weinberg wird auf jegliche synthetische Herbizide und Fungizide verzichtet. Zwischen den Rebzeilen wachsen Gründüngungspflanzen, die das mikrobielle Leben im Boden fördern. Die Lese erfolgt ausschließlich per Hand mit strenger Traubenauslese. Im Keller leitet die Philosophie eines minimalen Eingreifens die Arbeit: Fermentationen laufen mit indigenen Hefen, Schwefelzugaben werden auf das absolut notwendige Minimum reduziert. Seit 2010 vinifiziert Olivier Techer die Cuvée Pom'n'Roll gänzlich ohne Schwefelzusatz. Die Reifung erfolgt je nach Cuvée in einer Kombination aus Zementtanks und Eichenfässern aus Frankreich und Österreich, typischerweise über zwölf bis vierzehn Monate.
Merlot, Cabernet Franc und ein Hauch Malbec vom Urgestein des Plateaus
Die rund acht Hektar Rebfläche des Guts liegen zu zwei Dritteln auf dem zentralen Plateau von Pomerol, umgeben von Nachbarn wie Pétrus, Le Pin, Clinet und Trotanoy. Der Boden besteht aus glazialen Kiesablagerungen über eisenhaltigem Ton – der sogenannten crasse de fer –, die dem klassischen Pomerol-Charakter seine mineralische Tiefe verleihen. Bepflanzt sind die Parzellen hauptsächlich mit Merlot, ergänzt durch Cabernet Franc und einem kleinen Anteil an über 80 Jahre alten Malbec-Reben, die dem Sortiment Würze und Komplexität beisteuern.
Das Sortiment reicht vom großen Château Gombaude-Guillot über den Clos Plince bis zum zugänglicheren Pom'n'Roll. Die Weine zeigen die für Pomerol typische Fülle und Seidigkeit, dazu aber eine für Bordeaux ungewöhnliche Frische und Präzision – ein Ergebnis der biodynamischen Bewirtschaftung und des konsequenten Verzichts auf enologische Hilfsmittel. Empfohlene Trinktemperatur: 16–18 °C, mit Dekantierung.