Von der Médaille d'Or 1876 zur Referenz des südlichen Burgund
Die Geschichte des Château Fuissé beginnt 1862, als Claude Bulland das Anwesen im gleichnamigen Dorf im Mâconnais erwirbt. Schon 1876 kehrt er mit einer Medaille von der Pariser Weltausstellung zurück — ein frühes Signal, dass dieser Ort mehr kann als regionalen Tafelwein. Entscheidend für den heutigen Ruf wird jedoch Jacques Vincent-Bulland: Er ist Mitgründer der Appellation Pouilly-Fuissé, die 1936 offiziell anerkannt wird, und legt damit den institutionellen Rahmen, in dem das Domaine bis heute arbeitet. Sein Nachfolger Marcel Vincent baut ab 1948 das Weingut aus und führt die Flaschenabfüllung als Standard ein. Jean-Jacques Vincent wiederum beginnt ab 1967, jeden Weinberg einzeln zu vinifizieren und den Export systematisch aufzubauen — eine Praxis, die damals noch keine Selbstverständlichkeit war. Heute steht die fünfte Generation am Steuer: Antoine Vincent, ausgebildeter Önologe, leitet das Château gemeinsam mit Philip Tuinder.
Hundert Parzellen, ein Prinzip: Terroir ohne Kompromiss
Das Weingut bewirtschaftet rund 40 Hektar, aufgeteilt auf nahezu hundert Parzellen in fünf Appellationen — Pouilly-Fuissé, Saint-Véran, Mâcon-Villages, Mâcon-Fuissé und Bourgogne Blanc. Das Herzstück ist der Le Clos Monopole: 2,7 Hektar Kalkton-Böden in Südostlage direkt um das Château, mit Rebstöcken von über fünfzig Jahren im Durchschnitt. Die Premiers Crus Le Clos und Les Brûlées — letzterer auf Mergel mit südlicher Exposition — zeigen, wie unterschiedlich dieselbe Appellation schmecken kann, wenn man konsequent parzellenweise arbeitet.
Die Ernte erfolgt ausschließlich per Hand, gefolgt von schonender Ganztraubenpressung. Ausgebaut wird je nach Herkunft: Stahltank für die appellationstypische Frische der Mâcon- und Saint-Véran-Lagen, Holzfass für die komplexeren Pouilly-Fuissé-Cuvées. Die Devise lautet Gleichgewicht zwischen natürlicher Reife, Mineralität und Frische — kein Ausbau, der das Terroir überschreibt. Seit 1985 ergänzt die Linie Famille Vincent das Sortiment mit Weinen aus gepachteten Parzellen, die nach denselben Maßstäben vinifiziert werden wie die Château-Eigengewächse.
Chardonnay als Maßstab — und Gamay als Kontrapunkt
Der weiße Chardonnay aus Pouilly-Fuissé ist die klare Stärke des Hauses: Die Weine zeigen reife Zitrusfrucht, weißen Pfirsich und eine salzige Mineralität, die den kalkhaltigen Böden des Mâconnais geschuldet ist. Die Tête de Cuvée, eine Assemblage aus den besten Pouilly-Fuissé-Parzellen, fügt dem Aromenbild Toast und Walnuss hinzu — Ergebnis des Fassausbaus, ohne dass das Holz dominiert. Der Bourgogne Blanc bietet denselben Hausstil in zugänglicherer Form: frisch, klar, mit guter Säurestruktur. Seit 2010 sind auch die Granit-Böden des Beaujolais Teil des Sortiments: Im Juliénas zeigt Gamay rote Früchte und zarte Würze, vinifiziert in der Tradition der Cru Beaujolais. Den Crémant de Bourgogne rundet das Angebot nach oben wie nach unten ab — als Einstieg in die Handschrift des Hauses wie als Aperitif vor dem großen Abend.