Vom Schloss auf dem Felsen zum Leitbetrieb der Côte Chalonnaise
Das Château de Chamirey thront auf einem Felsvorsprung über dem Dorf Chamirey und blickt auf die Weinberge von Mercurey hinunter. Erbaut im frühen 18. Jahrhundert nach italienischem Vorbild, wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer, bevor es in die Familie des Marquis de Jouennes d'Herville gelangte. Der entscheidende Wendepunkt kam 1934: Der Marquis begann als einer der ersten Erzeuger der Region damit, seine Weine auf dem Gut in Flaschen zu füllen — zu einer Zeit, als der Burgunderhandel nahezu vollständig über den Négoce lief. Sein Schwiegersohn Bertrand Devillard übernahm das Gut später und baute es auf seine heutige Größe aus. Heute führen Aurore und Amaury Devillard, Enkel des Marquis, das Château in fünfter Generation.
Handarbeit im Weinberg, natürliche Vergärung im Keller
Mit 37 Hektar auf den besten Lagen von Mercurey — 27 Hektar Pinot Noir, 10 Hektar Chardonnay — ist Château de Chamirey das größte Weingut der Appellation. 15 Hektar davon tragen die Klassifizierung Premier Cru, verteilt auf sechs Klimata, darunter zwei Monopollagen: das Premier Cru rouge „Les Ruelles" und das Premier Cru blanc „La Mission". Die Rebstöcke sind mit 10.000 Pflanzen pro Hektar so dicht gesetzt, wie es die burgundische Tradition vorschreibt — hohe Bepflanzungsdichte als Instrument zur Ertragsregulierung und Konzentration.
Im Keller arbeitet das Team mit natürlichen Hefen und setzt auf Handlese mit anschließender Kältestabilisierung vor der Vergärung. Die Rotweine mazerieren rund 15 Tage, ein Teil der Trauben wird als Ganztraube eingesetzt. Ausbau in französischen Eichenfässern mit moderatem Neuholzanteil — beim Premier Cru „En Sazenay" etwa 17 Monate, 20 % neue Fässer. Die Weißweine reifen rund 11 Monate in 400-Liter-Fässern aus Allier-, Burgund- und Vogesenholz, was den Chardonnay frisch und rassig hält, ohne ihn hinter Holzaromen zu verstecken.
Pinot Noir und Chardonnay mit dem Zug der Côte Chalonnaise
Ton- und Kalksteinböden mit erhöhtem Eisenoxidanteil, südost-exponierte Hanglagen, kontinentales Klima — das ergibt Rotweine, die klare rote Frucht (Wilderdbeere, Kirsche, Himbeere) mit einer erdig-nussigen Tiefe verbinden und dabei körperlich schlanker bleiben als viele Côte-de-Nuits-Pendants. Die Weißweine zeigen Steinobst und weiße Blüten, gestützt von frischer Säure. 2021 kreierte die Familie mit dem Premier Cru „Les Cinq" eine Assemblage aus den besten Fässern von fünf verschiedenen Premiers Crus — Les Ruelles, En Sazenay, Clos du Roi, Clos l'Évêque und Champs-Martin — eine konsequente Antwort auf die Frage, was Mercurey als Appellation leisten kann. Das Sortiment reicht vom zugänglichen Dorfwein bis zu diesen parzellenselektierten Spitzencuvées und macht Chamirey zur zuverlässigsten Adresse für Burgund-Einsteiger wie für Kenner, die die Côte Chalonnaise neu entdecken wollen.