Von der Grafenresidenz zur Ikone des Provence-Rosés
Das Anwesen bei La Motte, nordöstlich von Saint-Tropez, blickt auf eine Geschichte zurück, die weit vor dem ersten Weinjahrgang liegt. Château d'Esclans war einst Residenz der Grafen der Provence und wechselte im Lauf der Jahrhunderte mehrfach die Hände — darunter Jacques Auxile Verrion, Kriegskommissar Ludwigs XV. und späterer Graf von Esclans unter Karl X. Der entscheidende Bruch kam 2006: Sacha Lichine, Sohn des Bordeaux-Pioniers Alexis Lichine, erwarb das Château mit einer klar formulierten Ambition — die besten Rosés der Welt zu erzeugen. Niemand in Bordeaux hielt das für eine gute Idee. Lichine verkaufte seinen Familiensitz im Médoc, um in eine Kategorie zu investieren, die es als ernstzunehmenden Fine-Wine-Sektor schlicht noch nicht gab. Ende 2019 stieg LVMH (Moët Hennessy) als Mehrheitseigentümer ein und festigte damit die Position des Guts als Luxusmarke.
Burgundische Technik im provenzalischen Terroir
Der Boden um La Motte ist kalk- und tonhaltig, das Klima mediterran mit Abkühlung durch den Mistral — Bedingungen, die eine langsame, aromatisch dichte Reife begünstigen. Das Anwesen umfasst alte Grenache-Reben, zum Teil über hundert Jahre alt, deren konzentriertes Lesegut die Grundlage der Spitzencuvées bildet. Hinzu kommen Vermentino und Cinsault.
Gründungsönologe Patrick Léon — langjähriger technischer Direktor von Château Mouton Rothschild — brachte Techniken nach Provence, die im Rosé bis dahin ungebräuchlich waren: kontrollierte Temperaturführung bei der Vinifikation, Vergärung und Reifung im Holzfass sowie Bâtonnage für die Premiumlagen. Seit 2011 führt sein Sohn Bertrand Léon, ausgebildet in Viticulture und Önologie in Bordeaux, das technische Team und entwickelt diesen Ansatz weiter. Das Ziel war und ist kein Massenrosé, sondern ein strukturierter, lagerfähiger Wein, der auch blind gegen große Weißweine bestehen kann.
Ein Sortiment mit klarer Hierarchie — von Whispering Angel bis Garrus
Die Palette von Château d'Esclans folgt einem Qualitätsstufensystem, das an Burgund erinnert: Nach oben hin steigt die Rebsortenkonzentration, der Holzeinsatz und die Komplexität. Whispering Angel ist das Einstiegslabel und zugleich eines der meistverkauften Provence-Rosés weltweit — zart lachs-rosa, frisch, mit klarer Frucht und trockenem Abgang. Rock Angel legt an Struktur und Mineralität zu. The Pale zielt bewusst auf einen besonders blassen, feinen Stil. Die Cuvée Les Clans vergärt vollständig im Fass; Garrus, aus den ältesten Grenache-Reben, reift in neuer Eiche und gilt als Flaggschiff der gesamten Range. Das Sortiment wird in über hundert Ländern vertrieben — Provence-Rosé als globaler Maßstab, nicht als Urlaubssouvenir.