Zehn Jahrhunderte Weinbau im Agly-Tal
Die Geschichte des Château de Jau beginnt im 12. Jahrhundert, als Zisterziensermönche die Abtei Jau gründeten und ihr das Recht über die Wasser des Verdouble-Flusses erhielten. Sie legten die ersten Weinberge an, kultivierten Olivenbäume und exportierten ihre Weine dank der Technik der Mutage – dem Abstoppen der Gärung durch Alkoholzusatz – bis nach Nordeuropa. Aus dieser Zeit stammt der noch heute aufragende Wehrturm auf dem Felsen. Später wechselte das Anwesen mehrfach den Besitzer; eine katalanische Familie brachte die Seidenraupenzucht, der dreihundert Jahre alte Maulbeerbaum im Innenhof erzählt noch heute davon.
Den entscheidenden Wendepunkt markiert das Jahr 1973: Jean und Bernard Dauré, eine Weinbaufamilie aus Rivesaltes mit eigenem Négociant-Betrieb, erwerben das Château. Sie sanieren die Gebäude, bepflanzen brachliegendes Garrigue-Land neu – 1983 werden auf einem 26-Hektar-Plateau Grenache Noir und Carignan gepflanzt, was Zeitgenossen damals für eine Spinnerei hielten – und bauen einen neuen Keller. Bernards Sohn Simon führt das Weingut heute in dritter Generation weiter.
Bio-Zertifizierung, Tramontane und der erste Winzer-Grill Frankreichs
Das Domaine umfasst rund 100 Hektar Reben, eingebettet in 500 Hektar Garrigue, auf einem Mosaik aus Kalkstein und schieferhaltigem Mergel im Agly-Tal. Die Tramontane, der nordwestliche Fallwind, sorgt für trockene Bedingungen und gesundes Lesegut. Seit 2018 arbeitete das Gut auf Bio-Umstellung hin; seit 2021 ist Château de Jau offiziell ökologisch zertifiziert. Im Keller arbeitet Kellermeister Jérôme eng mit Önologe Hervé Sabardeil zusammen – mit bewusst minimalem oenologischen Einsatz, um den Charakter der unterschiedlichen Lagen zu erhalten.
Zur Philosophie der Dauré-Familie gehört von Anfang an das Aufbrechen der Grenze zwischen Weinbau und Erlebnis. Das einstige Seidenraupenzucht-Gebäude beherbergt heute eine Galerie für zeitgenössische Kunst; Künstlerinnen und Künstler wie César, Tàpies und Arman haben hier ausgestellt. Noch berühmter ist "Le Grill", das Sommerrestaurant des Domaine: Lammkoteletts und Würste über Rebstöcken gegrillt, Brot mit Olivenöl und frischen Tomaten, Iberico-Schinken – begleitet ausschließlich von den Weinen des Hauses. Château de Jau gilt als Vorreiter des ersten Winzer-Restaurants in Frankreich überhaupt.
Vom Vins Doux Naturel bis zum Jaja de Jau: Roussillon pur im Glas
Das Sortiment spiegelt die appellative Breite des Roussillon wider: AOP Côtes du Roussillon, Côtes du Roussillon Villages, Muscat de Rivesaltes und Rivesaltes Grenat als Vin Doux Naturel auf der einen Seite – die Süßwein-Tradition, die schon die Mönche pflegten. Auf der anderen Seite die Jaja-de-Jau-Linie: sortentypische Cuvées aus Merlot, Syrah und Sauvignon Blanc im IGP Côtes Catalanes, deren charakteristische Handschriften-Etiketten der französische Künstler Ben Vautier entworfen hat. Rote Sorten wie Syrah, Grenache, Carignan und Mourvèdre geben den Rotweinen Struktur und würzige Tiefe, Vermentino und Sauvignon Blanc stehen für die frischen, aromatisch klaren Weißweine des Guts. Kurz gesagt: Weine, die das mediterrane Terroir des Agly-Tals direkter nicht ausdrücken könnten.