Von der Weizenfarm zum Estate: die Geburt von Capaia
Was heute eines der bemerkenswertesten Weingüter der südafrikanischen Kapregion ist, begann als brachliegende Weizenfarm. Alexander Baron von Essen und seine Frau Ingrid erkannten 1997 das vitikulturelle Potenzial des Landes in Philadelphia — einer kleinen Gemeinde rund 30 Kilometer nördlich von Kapstadt und nur 10 Kilometer vom Atlantik entfernt. Zuvor hatten neuseeländische Bodenkundler an rund 300 Stellen des Geländes gegraben und Schieferböden mit hervorragenden Wasserspeichereigenschaften und einem reichen Mineralgehalt nachgewiesen. Dieser Befund war die Grundlage für die Entscheidung, hier neu zu beginnen. Von 1997 bis 2002 wurden die Rebstöcke gepflanzt, die Kellerei errichtet und die charakteristischen Holzfermenter installiert.
Von Beginn an war Capaia international vernetzt: Tibor Gál, einer der einflussreichsten ungarischen Winzer und damals Kellermeister bei Ornellaia in der Toskana, wurde in dieser Gründungsphase Mitgesellschafter. Sein Einfluss prägte die bordelaisisch-mediterrane Handschrift des Hauses. 2003 feierte Capaia seinen ersten Jahrgang — der sofort mit fünf Sternen des südafrikanischen Wine Magazine ausgezeichnet wurde und international ausverkauft war. 2005 wurde das Estate offiziell nach dem Château-Prinzip klassifiziert. Ab 2015 stieß Graf Stephan von Neipperg, Eigentümer der Saint-Émilion Premier Grand Cru Classé-Güter Château Canon La Gaffelière und La Mondotte, als Gesellschafter hinzu und verlieh dem Projekt damit noch stärkere europäische Verwurzelung.
Schwerkraft, Schiefer und ein Bekenntnis zur Natur
Capaia liegt auf drei Schieferhügeln an den Nordhanglagen des Olifantskop, auf rund 200 Metern Höhe. Die Weinberge umfassen 60 der insgesamt 140 Hektar und sind nach allen Himmelsrichtungen ausgerichtet, was den einzelnen Parzellen unterschiedliche Reife- und Aromabedingungen verschafft. Der atlantische Seewind sorgt für konstante Belüftung und begrenzte Temperaturschwankungen; der Jahresniederschlag liegt bei rund 400 mm. Die Böden aus triassischem Schiefer mit Lehmanteil speichern Wasser und geben die gespeicherte Mineralität direkt an die Frucht weiter.
Im Keller arbeitet Capaia konsequent mit 56 französischen Eichenholz-Fermentationstanks — gefertigt von der Cognac-Küferei Tonnellerie Taransaud — mit Volumina von 5.200 und 8.400 Litern. Die Anlage gilt als größte holzbasierte Vergärungsanlage in privaten Kellern weltweit. Die Trauben werden per Handlese geerntet und von der höchsten Stelle der Anlage aus rein durch Schwerkraft in die Tanks geleitet, ohne mechanische Pumpen. Für den Rotwein bedeutet das: schonende Extraktion, feine Tannine, strukturierte Eleganz. 2017 schloss Capaia zudem einen zehnjährigen Biodiversitätsvertrag mit CapeNature und stellte 34,5 Hektar des Areals als Schutzgebiet für das kritisch gefährdete Swartland Shale Renosterveld unter Naturschutz.
Bordeaux am Atlantik: was die Weine von Capaia ausmacht
Das Sortiment folgt einer klaren bordelaisischen Linie. Auf der Rotweinflanke stehen Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot im Mittelpunkt; ergänzt wird das Spektrum durch Shiraz. Weißwein kommt ausschließlich als Sauvignon Blanc — sortenrein, mineralisch, vom Atlantikklima geprägt. Der Rosé rundet das Angebot ab. Alle Weine stammen ausschließlich aus eigenen Trauben des Estates — kein Zukauf, keine Kompromisse beim Château-Prinzip. Die Holzfermenter verleihen den Rotweinen eine samtene Textur und Vielschichtigkeit, die mit reiner Edelstahltechnik nicht zu erreichen wäre. Der Name Capaia selbst ist dabei Programm: Er steht für den Geist des Cape, mit Tafelberg-Blick vom Weinberg.