Vom Mischbetrieb zur Burgunder-Adresse am Kaiserstuhl
Die Salweys bewirtschaften ihren Kaiserstühler Grund seit Mitte des 18. Jahrhunderts — urkundlich belegt seit 1740, zunächst als klassischer landwirtschaftlicher Mischbetrieb mit Viehhaltung. Den Grundstein für den heutigen Weinfokus legte Benno Salwey, der 1950 das Weingut in seiner jetzigen Form gründete. Sein Sohn Wolf-Dietrich trieb die Spezialisierung konsequent voran: Er stellte den Betrieb in den 1960er und 1970er Jahren vollständig auf Weinbau um, erwarb bereits mit 23 Jahren den Rinzberghof im Glottertal nördlich von Freiburg und übernahm 1985 den elterlichen Betrieb in Oberrotweil. Nach dem Tod seines Vaters im Jahr 2011 führt Konrad Salwey das Weingut in dritter Generation allein — und hat es seither zu einer festen Referenzadresse im deutschen Burgunderspektrum ausgebaut. Nicht unwesentlich für diesen Ruf: Seit 1926 ist das Weingut Mitglied im VDP, dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter, dessen Vorläufer bereits den Grundstein für konsequente Qualitätsorientierung am Kaiserstuhl legte.
Natürliche Hefen, selektive Handlese, Holzfass — Konrad Salweys Handschrift im Keller
Konrads Ausbildung führte ihn zunächst nach Frankreich, zu Zind-Humbrecht im Elsass und zu Michel Juillot im Burgund, bevor er Önologie in Geisenheim studierte. Diese burgundische Prägung ist in der Kellerphilosophie bis heute spürbar: Alle Trauben werden ausschließlich per Handlese und strikt selektiv geerntet. Im Keller vergärt Salwey mit natürlichen Hefen im großen Holzfass — die Natur bekommt Raum und Zeit, ohne dass der Prozess dem Zufall überlassen wird. Konrad Salwey ist bekannt dafür, Neues auszuprobieren und auch wieder zu verwerfen, wenn es dem Ausbau nicht dient. Weine, die nicht dem gewünschten Terroir-Ausdruck entsprechen, werden korrigiert — bis hin zum Umpfropfen einzelner Rebstöcke. Das Ergebnis sind ausnahmslos trockene Weine, die vollständig durchgegoren sind und unmittelbar vom Charakter ihrer Böden erzählen.
Im Weinberg arbeitet Salwey nach ökologischen Grundsätzen: Der Einsatz von Pestiziden wird weitgehend vermieden, natürliche Düngemittel kommen zum Einsatz, und die Bewirtschaftung zielt auf den Erhalt der Biodiversität in den Lagen ab.
Grau-, Weiß- und Spätburgunder — drei Sorten, ein unverkennbarer Vulkankaiserstuhl
Auf rund 50 Hektar Rebfläche kultiviert Salwey ausschließlich die drei klassischen Kaiserstühler Burgundersorten: Grauburgunder und Spätburgunder belegen je 40 Prozent der Gesamtfläche, Weißburgunder rund 16 Prozent. Die Spitzenlagen Henkenberg und Kirchberg in Oberrotweil sind vom VDP als Große Lagen anerkannt; der Henkenberg steht auf erkalteten Lavaböden mit Kalkeinschlüssen, überlagert von dunkler Vulkanasche — eine Bodenkombination, die den Weinen eine mineralisch-salzige Struktur mitgibt, die mit keinem anderen Anbaugebiet Deutschlands verwechselt werden kann. Daneben stehen Reben im Eichberg (Oberrotweil und Glottertal) und im Käsleberg, wo Lössboden eine weichere, vollmundigere Stilistik erzeugt.
Das Flaggschiff des Hauses ist der Grauburgunder — in Konrads eigenen Worten seine größte Leidenschaft. Doch auch der Spätburgunder aus dem Henkenberg zeigt, was der Kaiserstuhl-Vulkanboden für Rotwein leisten kann: Struktur, Tiefe und eine Frische, die trotz der warmen Sonnenlage des südlichen Badens erhalten bleibt. Wer die Weine von Salwey kennt, erwartet keine leichten Trinkweine — sondern terroirgeprägte, reifefähige Burgunder, die Zeit im Keller lohnen.