Vom Familienhof in die erste Liga des deutschen Sauvignon Blanc
Das Weingut Weedenborn sitzt im Herz von Monzernheim, einer kleinen Berggemeinde auf einer der höchsten Erhebungen Rheinhessens. Der Name trägt Geschichte: Weede steht für Dorfplatz, Born für Brunnen – der Treffpunkt des Ortes war einst hier. Die Weinbautradition der Familie reicht bis ins Jahr 1650 zurück; heute führt Gesine Roll das Gut in dritter Generation. Als sie 2008 das Weingut von ihren Eltern übernahm, brachte sie internationale Erfahrung mit – ausgebildet beim VDP-Weingut Bassermann-Jordan in Deidesheim und bei Vergelegen in Südafrika. Seither hat sie Weedenborn konsequent neu ausgerichtet und das Gut zu einer der meistdiskutierten Weißwein-Adressen Deutschlands gemacht. Gault & Millau kürte sie zur Weinpersönlichkeit des Jahres 2023, Falstaff zur Winzerin des Jahres 2024.
Höhenlage, Kalkstein und ein klares Bekenntnis zur Natur
Die rund 20 Hektar familieneigene Weinberge verteilen sich auf Monzernheim und Westhofen, zwischen 232 und 280 Metern über dem Meeresspiegel – oberhalb der bekannten Westhofener Großlagen Kirchspiel und Morstein. Die Höhe ist kein Zufall: Kühle Nächte, konstanter Wind und eine verlängerte Vegetationsperiode sorgen dafür, dass Zucker- und physiologische Reife Hand in Hand gehen. Das Ergebnis sind Trauben mit stabiler Säure und ausgeprägter aromatischer Tiefe. Die dominierenden Böden sind mineralreiche Kalksteine; in der Parzelle Terra Rossa in Westhofen tritt dazu roter Eisenoxid-Boden, der den Weinen dieser Lage eine eigene Dichte und Länge verleiht.
Im Weinberg verzichtet Gesine Roll konsequent auf Herbizide und Insektizide. Begrünung, Biokompost, niedrige Erträge und strenge Selektion bei der Handlese sind feste Bestandteile der Arbeit. Die Umstellung auf biologischen Weinbau versteht sie nicht als Trend, sondern als Haltung. Im Keller setzt sie auf Zurückhaltung und Präzision: Unterschiedliche Lagen und Klone werden separat ausgebaut, in Gebinden zwischen 2.000 und 6.000 Litern, um später exakt den gewünschten Stil komponieren zu können. Der Sauvignon Blanc Terra Rossa reift dabei bis zu zwölf Monate im großen Holzfass und bleibt ein Jahr auf der Hefe, bevor er noch einmal ein Jahr auf der Flasche lagert.
Sauvignon Blanc als Herzstück – mit Burgunder und Sekt als starke Ergänzung
Was Weedenborn von anderen rheinhessischen Gütern unterscheidet: Sauvignon Blanc nimmt den mit Abstand größten Teil der Rebfläche ein – zu einem Zeitpunkt, als die Sorte in Deutschland noch als Exot galt. Bereits vor der offiziellen Zulassung pflanzte Vater Roll Reben im Versuchsanbau; die ältesten Stöcke stehen heute in der Parzelle Terra Rossa. Gesine Roll gliedert ihr Sauvignon-Blanc-Sortiment in drei Stufen: vom zugänglichen Gutswein über die Réserve bis zur Grande Réserve und dem lagenfokussierten Terra Rossa. Der Stil ist durchgängig: schlank, klar, mit lebhafter Säurestruktur, Aromen von Zitrus, Stachelbeere und einem mineralischen, bisweilen von Grapefruit und Maracuja geprägten Abgang – nie fett, nie überladen. Chardonnay und Weißburgunder spielen als Burgundersorten eine gewichtige zweite Rolle, ausgebaut mit derselben Präzision wie die Sauvignons. Hinzu kommt ein nach traditioneller Flaschengärung erzeugter Chardonnay-Sekt Brut Nature mit langem Hefelager. Wer Weine sucht, die Herkunft klar artikulieren, ohne dabei zu lärmen, findet bei Weedenborn eine konsequente Handschrift.