Von der Maremma in die Weltspitze: Wie Lodovico Antinori Bolgheri neu erfand
Im Jahr 1981 kaufte Marchese Lodovico Antinori — ein Spross der florentinischen Antinori-Weindynastie — Land nahe dem kleinen Ort Bolgheri an der toskanischen Tyrrhenischen Küste und ließ dort die ersten Rebstöcke in den Boden setzen. Sein Ziel war klar: bordeauxartige Rotweine auf einem Terroir zu erzeugen, das bis dahin kaum jemand im Weinbau ernst genommen hatte. 1985 erschien der erste Jahrgang des Flaggschiffweins Ornellaia — und läutete damit ein neues Kapitel der italienischen Weingeschichte ein. Der Jahrgang 1998 wurde vom Wine Spectator zum besten Rotwein des Jahres gewählt und zementierte den Ruf der Tenuta auf internationaler Bühne. Nach einem Intermezzo als Teilhaber der Robert Mondavi Winery übernahm ab Mitte der 2000er-Jahre die toskanische Unternehmerfamilie Frescobaldi das Weingut vollständig. Seither führt sie Ornellaia mit qualitativer Konstanz weiter — unterstützt von Bordeaux-Berater Michel Rolland.
Parzelle für Parzelle: Weinberg und Keller als System der Präzision
Die rund 97 Hektar Rebfläche, aufgeteilt auf etwa 50 eigenständige Parzellen, verteilen sich auf zwei Lagen: die historische Kernlage rund um den Weinkeller und das nördlicher gelegene Gut Bellaria. Die Böden wechseln zwischen marinem, alluvialem und vulkanischem Ursprung; in höher gelegenen Parzellen tritt lehmiger Boden mit Kalksteinschotter hinzu. Im Sommer kühlt eine beständige Meeresbrise die Weinberge, im Winter schützen die umliegenden Hügel die Reben vor Kälteeinbrüchen aus dem Norden — ein Kleinklima, das den Bordeaux-Sorten Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot optimale Reifebedingungen bietet.
Im Keller setzt sich diese Parzellenlogik konsequent fort: Jede Rebsorte und jede Parzelle wird separat vinifiziert. Die Trauben werden von Hand in 15-kg-Kisten geerntet und vor wie nach dem Entrappen auf doppelten Sortiertischen selektiert. Die alkoholische Gärung erfolgt in Stahltanks oder Zementwannen, die malolaktische Gärung hauptsächlich in neuen Eichenbarriques. Der anschließende Ausbau dauert rund 18 Monate. Täglich werden bis zu 80 Basisweine verkostet, um bei der Assemblage zu entscheiden, in welchen der Weingutsweine jede Parzelle einfließt. Ornellaia setzt auf reduzierten Pflanzenschutz und die aktive Förderung der Biodiversität im Weinberg.
Ein Sortiment mit klarer Hierarchie — vom Einstieg bis zum Ikonen-Wein
Das Sortiment folgt einer durchdachten Stufenlogik, die alle Parzellen des Guts sinnvoll in Wert setzt. Der Ornellaia Bolgheri Superiore DOC — die Cuvée aus den besten, reifsten Parzellen, dominant Cabernet Sauvignon mit Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot — ist der Referenzwein des Hauses: dicht, strukturiert, mit dunkler Beerenfrucht, Zedernholz und der typischen salzig-mineralischen Länge der Küstenlage. Le Serre Nuove dell'Ornellaia, seit 1997 produziert, stammt aus jüngeren Parzellen desselben Terroirs und ist nach identischem Prinzip vinifiziert — mit höherem Merlot-Anteil, der dem Wein frühere Zugänglichkeit und mediterranen Schmelz verleiht. Le Volte dell'Ornellaia, die dritte Linie, ergänzt die Cuvée aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Sangiovese: fruchtbetont, trinkfreudig, ein direkter Ausdruck des Küstenklimas ohne den langen Barrique-Ausbau der großen Geschwister. Wer das Gut auch jenseits des Weins kennenlernen möchte, findet mit dem Olio Extra Dell'Ornellaia ein Olivenöl aus demselben Landstrich — konsequent gedacht vom gleichen Anspruch an Terroir und Handwerk.