Von einem Decanter-Inserat zur eigenen Appellation
Im Dezember 1995 wartet Dr. Johst Weber, Ingenieur und Wirtschaftswissenschaftler mit Spezialisierung auf natürliches Ressourcenmanagement, am Londoner Flughafen Heathrow auf seinen Anschlussflug. In einem Exemplar des Decanter-Magazins entdeckt er eine knappe Anzeige: „potential high-quality vineyards" und „limestone soils". Weber sucht seit Jahren nach einem Ort, an dem er Reben pflanzen und einen Treffpunkt für Familie und Gleichgesinnte schaffen kann. Sein erster Besuch in Südafrika — im März 1996 — endet am zweiten Tag mit einem Handschlag: Die Farm Springfontein nahe Stanford am Walker Bay ist gekauft. Das Land ist zu diesem Zeitpunkt weitgehend Wildnis, die wenigen Gebäude verfallen, kein einziger Weinstock steht. Was Weber überzeugt: eine natürliche Quelle, die der Farm ihren Namen gibt — fontein ist Afrikaans für Quelle — und ein Kalksteingrat, der sich durch das gesamte Anwesen zieht.
Ab 1996 beginnen Rodung, Bodenanalyse und der Aufbau der Infrastruktur. Jahrzehnte nach diesem Neustart hat Weber das Weingut gemeinsam mit seiner Partnerin und Vigneronne Jeanne Vito zu einem der ungewöhnlichsten Betriebe Südafrikas entwickelt. Vito, in Chablis aufgewachsen und in Burgund ausgebildet, stieß 2018 zum Team und übernahm 2022 die Verantwortung für Weinberg und Keller. Seit 2026 ergänzt Christo Versfeld das vierköpfige Vignerons-Team, dem außerdem Emil Weber angehört.
Kalkstein, zertifizierte Bio-Landwirtschaft und minimale Intervention
Was Springfontein von seinen Nachbarn in Walker Bay unterscheidet, ist der Untergrund: Während Bokkeveld-Schiefer im übrigen Distrikt dominiert, wachsen die Reben hier auf marinem Kalkstein — eine im südafrikanischen Weinbau seltene Bodenkonstellation. Das maritime Mikroklima wird durch die Nähe zum Walker Bay und den kalten Benguela-Strom geprägt; die steilen, meeresgewandten Hanglagen sorgen für kühle Luft und langsame Reife. Diese Besonderheit ist seit 2018 offiziell anerkannt: Springfontein hält mit dem Ward „Springfontein Rim" eine der wenigen Monopol-Appellationen Südafrikas — eine Herkunftsbezeichnung, die ausschließlich die Weinberge des Gutes umfasst.
Die Arbeit im Weinberg folgt den Prinzipien des zertifizierten Bio-Landbaus. Im Keller setzt das Team auf wilde Hefen, Spontangärung, minimalen Schwefeleinsatz und vollständigen Verzicht auf Schönung — alle Weine tragen das Certified Organic-Siegel. Weber versteht Wein als „Kombination aus Natur und menschlichem Handwerk": Der Keller soll das ausdrücken, was Boden und Klima vorgeben, nicht korrigieren. Alle Trauben stammen ausschließlich aus den eigenen Weinbergen des Gutes; Zukauf findet nicht statt.
Pinotage, Chenin Blanc und eine südafrikanische Rarität
Springfontein fokussiert sich auf Rebsorten, die zum kalksteingründigen Küstenklima passen: Pinotage und Chenin Blanc bilden das Rückgrat des Sortiments. Hinzu kommt Chénel — eine 1974 in Südafrika gezüchtete Kreuzung aus Chenin Blanc und Ugni Blanc (Trebbiano). Springfontein ist nach eigener Aussage der einzige Produzent, der Chénel als sortenreine Abfüllung vermarktet. Die Weine erscheinen in verschiedenen Qualitätsstufen: Die Terroir Selection zeigt die konzentrierteste Auseinandersetzung mit dem Kalkstein-Terroir; die Linie Ulumbaza — „Haus der Freude" in Nguni — steht für zugänglichere, alltagsnahe Abfüllungen. Die Weinbergs-Herkunft variiert: Neben den Estate-Weinen aus dem Springfontein Rim entstehen einzelne Cuvées aus dem weiteren Walker Bay-Distrikt. Alle Weine werden sowohl in Südafrika als auch international vertrieben, mit besonderer Präsenz in Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden.