1946 auf den Hügeln von Cortona: die Geburt eines Klassikers
Santa Cristina ist ein Projekt der Florentiner Winzerfamilie Antinori — und wer Antinori sagt, spricht über eine der ältesten Weinlinien Italiens. Seit 1385 betreibt die Familie Weinbau, seit Giovanni di Piero Antinori der Arte Fiorentina dei Vinattieri, der Florentiner Winzerzunft, beitrat. Über mehr als 26 Generationen hat die Familie das Geschäft stets selbst geführt und dabei immer wieder Mut zu Innovationen bewiesen, ohne den Respekt für Tradition und Boden aufzugeben. Santa Cristina selbst entstand 1946, als Marchese Niccolò Antinori den ersten Jahrgang des gleichnamigen Rotweins vorstellte — auf den sanften Hügeln der Provinz Arezzo, auf halber Strecke zwischen Siena und Perugia, rund um das alte Städtchen Cortona. Sechzig Jahre später, im Jahr 2006, entstand dort ein eigenes Kellergebäude, das die Tradition dieses Weines bestätigen und architektonisch neu interpretieren sollte.
Minimaleingriff, maximales Terroir: Keller, Klone und Handwerk
Das 2006 fertiggestellte Weingut wurde vom Florentiner Studio Hydea entworfen — nach dem Leitprinzip minimaler Eingriff in die umgebende Landschaft bei gleichzeitig moderner Produktionsinfrastruktur. Die Weinberge liegen auf dem Plateau und den Hügeln rund um Cortona, einem Gebiet mit wechselnden Böden von vulkanisch bis tonig-lehmig, das je nach Höhenlage und Meeresnähe unterschiedliche klimatische Voraussetzungen bietet. Antinori arbeitet dabei systematisch mit Klon-Selektion: Seit 1990 werden alte Rebstöcke durch sorgfältig selektierte Sangiovese-Klone ersetzt, die ursprünglich aus sehr alten Weinbergen des Guts Santa Cristina selbst stammen. Im Keller kombiniert das Team klassische und moderne Vinifikationstechniken — von der Gärungstemperatur über Fasstyp und -größe bis hin zu Flaschenreife wird konsequent experimentiert, stets mit dem Ziel, Weinberg und Terroir lesbar zu machen, ohne sie zu überformen.
Sangiovese im Kern, Vermentino an der Flanke: das Sortiment
Santa Cristina steht für eine Weinfamilie mit klarer stilistischer Handschrift: toskanische Typizität, zugänglich im Charakter, aber mit echtem Gebietscharakter. Die roten Cuvées basieren auf Sangiovese, ergänzt je nach Jahrgang durch Merlot, Cabernet Sauvignon oder Syrah — einheimische und internationale Sorten, die Antinori seit Jahrzehnten bewusst miteinander verbindet. Le Maestrelle Toscana IGT, auch im Magnumformat erhältlich, bringt diese Verbindung auf etwas mehr Volumen und Struktur. Der Vermentino Toscana IGT zeigt eine andere Seite des Guts: frisch, mit salziger Note und mediterranem Kräuteranklang, wie er für diese Rebsorte in der Toskana typisch ist. Daneben entstehen Chianti Superiore DOCG sowie ein Vin Santo aus Malvasia und Trebbiano Toscano nach der Tradition der Valdichiana. Was alle Weine verbindet: der Anspruch, das Terroir direkt ins Glas zu übersetzen — konkret, ohne Umwege, ohne Überformung.