Von Eliseo Bisol bis heute: 75 Jahre im Herzen von Valdobbiadene
Die Geschichte von Ruggeri beginnt nicht 1950, sondern deutlich früher. Schon im 19. Jahrhundert bewirtschaftete Eliseo Bisol in Santo Stefano eine kleine Cantina; sein Sohn Luigi gehörte zu den ersten ausgebildeten Önologen der Region. Dass die Familie tief im Boden von Valdobbiadene verwurzelt ist, zeigt ein unscheinbares Detail: Der Flurname Case Bisoi – „die Häuser der Bisols" – taucht in den ältesten Karten des Gebiets auf, mitten im heutigen Cartizze. Am 26. Juni 1950 gründete Giustino Bisol die Cantina gemeinsam mit seinem Cousin Luciano – dessen Familienname Ruggeri wurde zum Markenzeichen. Von Anfang an gehörte Ruggeri zu den wenigen Betrieben in Valdobbiadene, die sich ausschließlich der Schaumweinproduktion verschrieben. Giustinos Sohn Paolo und seine Enkelin Isabella führten diese Linie konsequent weiter. Seit 2017 ist Ruggeri Teil der Rotkäppchen-Mumm-Gruppe, eine Partnerschaft, die nach eigener Aussage auf geteilten Werten und dem gemeinsamen Streben nach höheren Qualitätsstandards beruht.
Das Metodo Ruggeri: Zeit als Handwerkszeug
Wer Ruggeri verstehen will, muss über Zeit nachdenken. Die Kellerei hat eine eigene Produktionsphilosophie entwickelt – das sogenannte Metodo Ruggeri – das auf einer deutlich verlängerten Reifung im Autoklav-Tank basiert, weit über das branchenübliche Minimum hinaus, ergänzt durch eine nachgelagerte Flaschenreifung. Das Ergebnis sind Prosecchi mit ungewöhnlicher Tiefe und Struktur für ihre Kategorie. Im Weinberg stützt sich Ruggeri auf ein Netzwerk von über hundert Winzerfamilien, viele davon seit Generationen im Betrieb verankert. Ruggeri-Agronomen begleiten diese Betriebe kontinuierlich: gemeinsame Projekte zu Schnittführung und Pflanzenschutz, die die Rebe schonen und den Chemikalieneinsatz reduzieren. Auf Nachhaltigkeitsebene hält die Kellerei das SQNPI-Zertifikat (Nationales Qualitätssystem für integrierten Anbau) und erfüllt den Equalitas-Standard, der ökologische, soziale und wirtschaftliche Kriterien vereint. Eigene Rebflächen befinden sich u. a. im Cartizze selbst sowie auf dem nahe gelegenen Montello.
Ruggeri verarbeitet nach eigenen Angaben rund 12 % aller Cartizze-Trauben – den höchsten Anteil eines einzelnen Betriebs in diesem kleinen Cru von 107 Hektar. Diese enge Verbindung zum Cartizze ist so prägend, dass sie im Logo der Kellerei verankert ist.
Cartizze, Argeo und die Neugier auf alte Reben
Das Sortiment reicht vom zugänglichen Argeo – dem klassischen Prosecco DOC Treviso, frisch und leichtfüßig – bis zu den Cru-Weinen aus dem Superiore DOCG. Der Cartizze steht für die Paradeparzelle: feines Perlage, cremige Textur, aromatische Komplexität mit weißer Frucht und Blütenduft, ob in der Dry- oder in der Brut-Variante. Der Gialloro als Extra-Dry-Interpretation des Valdobbiadene Superiore verbindet Zugänglichkeit mit Tiefgang. Wer die evolutiven Fähigkeiten von Glera erleben will, findet sie im Flaggschiff Giustino B.: ein millesimierter Extra Dry, der durch das Metodo Ruggeri eine Komplexität entwickelt, die Prosecco selten zugetraut wird. Ruggeri gehörte zudem zu den Ersten, die einen Prosecco ausschließlich aus Trauben hundertjähriger Reben keltern – ein Projekt, das die Überzeugung der Kellerei unterstreicht, dass das Potential der Glera-Traube auf den Steilhängen von Valdobbiadene noch längst nicht ausgereizt ist.