Vom Hobby-Weinausschank zum VDP-Weingut in drei Jahrzehnten
Die Geschichte des Weinguts Pawis beginnt im November 1990, unmittelbar nach der Wiedervereinigung: Herbert und Irene Pawis, damals noch Hobbywinzer, gründeten mit gerade einmal 0,5 Hektar Rebfläche in den Freyburger Ehraubergen einen kleinen Weinausschank — nach eigenem Bekunden womöglich das kleinste Weingut Deutschlands mit angebundener Straußwirtschaft. Was als familiäres Nebenprojekt begann, bekam 1998 eine neue Richtung, als Sohn Bernard das Gut von Vater Herbert übernahm und ein Jahr später mit dem Bau einer modernen Kellerei in Freyburg den Grundstein für die Expansion legte. 2001 folgte die Aufnahme in den Verband Deutscher Prädikatsweingüter (VDP) — eine Anerkennung, die das Weingut überregional auf die Landkarte setzte. Seit 2007 arbeitet und vinifiziert das Weingut auf dem historischen Klostergut Zscheiplitz bei Freyburg, das Bernard Pawis aufwändig restaurieren ließ. Heute führt die Familie das Gut gemeinsam: Bernard Pawis verantwortet das Weingut, die nächste Generation bringt frische Ideen ein.
Naturnahe Arbeit im Weinberg, schonender Ausbau im Keller
Das Weingut bewirtschaftet heute über 16 Hektar Weinberge entlang der Unstrut um Freyburg und im Saaletal vor Naumburg — Flächen, die durch Pacht und Zukauf über die Jahre gewachsen sind. Im Mittelpunkt steht eine naturnahe Bewirtschaftung: Sie soll authentische Weine erzeugen und die Rebflächen für kommende Generationen erhalten. Im modernen Keller auf dem Zscheiplitzer Martinsberg werden die Weine schonend ausgebaut, um den Charakter der einzelnen Lagen und Rebsorten möglichst unverfälscht ins Glas zu bringen. Bernard Pawis selbst bringt es auf den Punkt: Trocken vinifiziert und mit Fokus auf die rebsortentypische Aromatik — das ist die Linie, der das Weingut seit seinem Bestehen folgt. Der prägende Boden der Region ist der Muschelkalk, der den Weinen eine markante Mineralität verleiht und besonders im Riesling seinen unverkennbaren Fingerabdruck hinterlässt.
Trockene Weine mit Ecken — Weißburgunder, Riesling und ein überzeugender Zweigelt
Das Sortiment von Pawis spiegelt die Vielfalt wider, die Saale-Unstrut auszeichnet: Die Region nördlich des 51. Breitengrads erlaubt viele verschiedene Rebsorten, und das Weingut nutzt diese Bandbreite konsequent. Die Spitze bilden die Großen Gewächse — allen voran der Weißburgunder GG aus dem Freyburger Edelacker, einer der renommiertesten Lagen der Region. Der Riesling vom Muschelkalkboden zeigt, was kühles Kontinentalklima und mineralreiche Böden leisten können: klare Säurestruktur, Zug und salzige Tiefe. Dass Saale-Unstrut auch beim Rotwein überzeugen kann, beweist der Blaue Zweigelt — eine in der Region eher seltene Rebsorte, die bei Pawis mit sortentypischer Würze und klarer Frucht ausgebaut wird. Wer Weine sucht, die Herkunft zeigen statt Holz und Extrakt, ist bei Pawis richtig.