Vom Zisterzienserkloster zum Landesweingut: 900 Jahre Weingeschichte an der Saale
Saale-Unstrut wurde bereits 998 als Weinregion urkundlich erwähnt – doch den eigentlichen Aufbau der Weinlandschaft leisteten Mönche: 1138 gründeten Zisterzienser das Kloster Sankt Marien zur Pforte in der Saaleniederung vor den Toren Naumburgs. Getreu ihrem Leitbild ora et labora rodeten, terrassierten und bepflanzten sie die Hänge und machten aus Landschaft Lagen. Bereits 1147 ist der Pfortenser Köppelberg als erster Weinberg urkundlich belegt. Bis zur Reformation hatten die Pfortenser Mönche über 160 Weinberge in mehr als 60 Orten in Besitz. 1540 verließ der letzte Abt das Kloster; Herzog Moritz von Sachsen wandelte es in eine Fürstenschule um. Die Weinberge wurden in sogenannte Halbberge aufgeteilt und weiter bewirtschaftet. 1899 richtete Preußen eine staatliche Weinbauverwaltung im ehemaligen Kloster ein, die maßgeblich an der Bekämpfung der Reblaus beteiligt war. Nach dem Zweiten Weltkrieg ging das Gut in ein volkseigenes Weingut über, bevor es 2008 als GmbH in das Eigentum des Landes Sachsen-Anhalt überführt wurde. Heute ist das Landesweingut Kloster Pforta mit rund 50 Hektar Rebfläche das größte Einzelweingut der Region Saale-Unstrut.
Historische Lagen, lebendige Böden – und ein Blick auf den Klimawandel
Das Weingut bewirtschaftet mehrere Lagen, deren Böden unterschiedlicher kaum sein könnten. In den Saalhäusern – benannt nach den Häusern, die Augustinermönche einst am Saaleufer errichteten – wachsen Riesling, Weißburgunder und Spätburgunder auf reinem Muschelkalkverwitterungsboden in steiler Südhanglage. Der Gosecker Dechantenberg, dessen Terrassenmauern aus Buntsandstein seit mindestens 1080 durchgehend mit Reben bestockt sind, trägt heute vor allem Riesling und Weißburgunder. Der Pfortenser Köppelberg mit seinen 14 Hektar ist der historisch älteste belegte Weinberg des Klosters; neben Riesling, Grauburgunder und Zweigelt gedeihen dort seltene autochthone Sorten aus der Klosterzeit – Blauer Silvaner und Weißer Elbling – die andernorts kaum noch zu finden sind.
Seit 2020 ist das Landesweingut Partner des EU-Projekts Life VineAdapt, das die Widerstandsfähigkeit von Weinberg-Ökosystemen gegenüber dem Klimawandel stärken soll. Konkrete Maßnahmen umfassen die gezielte Förderung von Wildpflanzen und Insekten zur Steigerung der Biodiversität sowie die Reduzierung von Düngemitteln durch verbesserte Nährstoffbindung im Boden. Wissenschaftlich gestützter Weinbau und das Wissen aus Jahrhunderten stehen hier nicht im Widerspruch, sondern ergänzen sich.
Klare Frucht, lebendige Säure, mineralischer Abgang – der Stil des Nordens
Der 51. Breitengrad, auf dem Kloster Pforta liegt, ist einer der nördlichsten Weinbaustandorte Deutschlands. Die kurzen, intensiven Sommer und die ausgeprägten Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht lassen Trauben langsam ausreifen – das Ergebnis sind Weine mit klarer Frucht, lebendiger Säure und einer ausgeprägten Mineralität, die direkt aus dem Muschelkalk- und Buntsandsteinboden ablesbar ist. Das Sortiment reicht von zugänglichen Gutsweinen wie dem Klosterschoppen und der Heimat-Linie bis zu sortenreinen Lagenweinen und einer Klosteredition. Weißburgunder, Grauburgunder und Riesling bilden das Rückgrat; Blauer Portugieser, Zweigelt und Spätburgunder zeigen, was die Region im Roten zu leisten vermag. Wer die historischen Raritäten sucht, findet sie auf dem Köppelberg: Blauer Silvaner und Weißer Elbling sind lebendige Zeugen einer Rebkultur, die seit dem Mittelalter an diesem Ort verwurzelt ist.