Von der alten Hofmauer zum Prosecco-Maßstab
Masottina ist seit 1946 in Familienhand. Alles begann, als Epifanio Dal Bianco das Anwesen Ai Palazzi in Gorgo al Monticano kaufte — fünf Hektar Weinberg und ein altes Bauernhaus in der Provinz Treviso. Bei der Renovierung des Hauses kam auf einer der originalen Wände das Wort Masottina zum Vorschein, das der Gründer kurzerhand zum Namen seines Betriebs machte. Was als überschaubares Landgut begann, wuchs über drei Generationen zu einem der bekanntesten Prosecco-Häuser im Veneto.
Den nächsten Sprung machte Adriano Dal Bianco, Epifanios ältester Sohn. Nach seinem Önologie-Abschluss an der Scuola Enologica di Conegliano — Italiens ältester Weinschule, gegründet 1876 — investierte er konsequent in Kellertechnik und baute das Rebflächen-Portfolio aus. Heute führt Adriano das Unternehmen gemeinsam mit seinen Söhnen Federico und Filippo; die dritte Generation bringt ihre eigenen Schwerpunkte — Architektur, internationale Vermarktung, Nachhaltigkeit — in den Betrieb ein. 2026 feierte Masottina den 80. Jahrgang.
Schwerkraft im Keller, SQNPI auf dem Weinberg
Über 370 Hektar Rebfläche erstrecken sich heute über die Hügel von Conegliano Valdobbiadene, die Piave-Ebene bei Gorgo al Monticano und die Lagen um Mogliano Veneto. Herzstück ist die Rive di Ogliano, eine steile Terrassenlage im UNESCO-Welterbegebiet der Prosecco-Hügel (ausgezeichnet 2019), wo die Familie rund 20 Prozent der gesamten Anbaufläche der Gemeinde bewirtschaftet. Die Trauben dort werden ausschließlich von Hand gelesen. Alle Weinberge sind nach den Kriterien der SQNPI-Zertifizierung (Sistema di Qualità Nazionale per la Produzione Integrata) bewirtschaftet — ein nationaler Standard für integrierten Weinbau.
Im Keller setzt Masottina auf Schwerkraft als Arbeitsprinzip: Die Trauben gelangen über sanfte Hangschwerkraft in die Presse, der Most fließt ohne mechanischen Druck in die Gärbehälter — das schont das Lesegut und erhält Frische und Aromatik. Hinzu kommen Photovoltaik-Eigenversorgung, leichtes Verpackungsglas, biologisch abbaubare Etiketten und SMETA-Audits (Sedex Members Ethical Trade Audit) zur Überprüfung sozialer und ökologischer Standards in der gesamten Lieferkette. Masottina war außerdem Teil des Forschungsprojekts MORE des Prosecco DOC-Konsortiums, das energiesparende Vergärungsverfahren für die Schaumweinproduktion entwickelt hat.
Klare Frucht, mineralische Linie, breites Sortiment
Das Sortiment spannt sich vom zugänglichen Prosecco DOC Treviso bis zu den anspruchsvollen Rive-Crus aus Ogliano. Die Flaggschiff-Weine R.D.O. Ponente und R.D.O. Levante schafften es 2021 in die Wine Spectator Top 100. Daneben produziert Masottina unter dem Label Ai Palazzi Stillweine aus internationalen und autochthonen Sorten — ein selten gewordenes Zeugnis dafür, dass im Trevigiano neben Glera seit jeher auch andere Rebsorten zu Hause sind.
Der Stil über alle Linien hinweg: klare Fruchtaromen — Birne, grüner Apfel, Pfirsich, Jasmin — eine lebhafte Säurestruktur und eine feine, anhaltende Perlage. Die Galeria-Linie, die du im Shop findest, steht für diesen unkomplizierten, frischen Ausdruck: als Aperitivo, zu leichten Vorspeisen oder zu Fischgerichten aus der venetischen Küche. Trinktemperatur: 6–8 °C.