Vier Generationen, ein Keller, ein Kamptal
Das Weingut Johann Topf in Straß im Straßertale blickt auf eine Familiengeschichte zurück, die tiefer reicht als so manche Rebwurzel im Kamptaler Urgestein. Die erste urkundliche Erwähnung des Anwesens findet sich im Maria Theresianischen Grundbuch von 1649; seit 1751 ist der Besitz durchgehend in Familienhand. Den Grundstein für das heutige Weingut legte 1885 Josef Topf, der nach Straß einheiratete und den Betrieb in die Weinwirtschaft führte. Johann Topf I. übernahm 1929 unter schwierigen Umständen — der frühe Tod des Vaters, eine Reblauskatastrophe und zwei Weltkriege setzten dem Hof zu. Sein Sohn Johann Topf II. stellte den Betrieb 1960 auf reinen Weinbau um und war einer der ersten Winzer in Straß, der Wein in Flaschen abfüllte und damit österreichweit Kunden belieferte. 1990 übernahm Hans (Johann III.) Topf gemeinsam mit seiner Frau Magdalena — und baute das Weingut auf die heutige Größe von rund 46 Hektar aus.
Heute wächst die fünfte Generation bereits ins Weingut hinein: Die Söhne Hans-Peter und Maximilian vinifizieren eigene Lagenweine, die sie mit ihren Initialen „HP" und „M" kennzeichnen. Alexander und Julius Topf komplettieren das Bild einer Familie, die ihren Beruf als Generationenaufgabe begreift.
Handlesen, Urgestein-Keller, schonende Vinifikation
Im südlichen Kamptal, am Fuß des Gaisbergs gelegen, prägt das Terroir die Arbeit im Weingut Topf von der Wurzel bis ins Glas. Die Trauben wachsen auf einer Mischung aus Löss, sandigem Schotter und Urgesteinsböden — Glimmerschiefer, Paragneis und Arkosen — die dem Wein eine feste Mineralstruktur mitgeben. Geerntet wird ausschließlich per Hand, in mehreren Durchgängen, der genaue Lesezeitpunkt richtet sich nach der physiologischen Reife der Trauben und variiert von Jahrgang zu Jahrgang.
Im Keller setzt die Familie auf schonende Vinifikation: Respekt vor der Natur und das Potenzial der jeweiligen Lage stehen im Vordergrund, nicht technologische Eingriffe. Zur Reife kommen die Weine in historischen Kellerstollen, die rund zwölf Meter tief in den Gaisberg gegraben wurden — ein Gewölbe mit einer Geschichte von mehreren Jahrhunderten, das konstante Temperaturen und ruhige Reifebedingungen garantiert. Das Weingut ist Mitglied bei den Österreichischen Traditionsweingütern (1ÖTW), einem Verein, der sich der Erforschung und Klassifizierung der besten Lagen im Donauraum verschrieben hat.
Erste Lagen, klare Herkunft, breites Sortiment
Der Stolz des Hauses sind die klassifizierten Ersten Lagen: Gaisberg, Heiligenstein, Wechselberg Spiegel und Offenberg. Diese Parzellen produzieren Grüne Veltliner und Rieslinge mit ausgeprägtem Lagenprofil und nachgewiesenem Reifepotenzial — Weine, an denen du ablesen kannst, was Kamptal als Herkunft bedeutet. Der Gaisberg steht für würzige Textur und Tiefe, der Heiligenstein für Riesling mit Vulkangestein-Charakter und langer Säurelinie. Daneben entstehen gebietstypische Strassertal-Weine für den direkten, fruchtbetonten Genuss sowie Schaumweine — darunter die Brut Réserve — die Hans Topf selbst vinifiziert. Auch Chardonnay aus der Ried Hasel, Gelber Muskateller und Zweigelt gehören zum Sortiment und zeigen, wie vielseitig das südliche Kamptal bestellt sein kann.
Was alle Weine verbindet, ist der Anspruch, Herkunft ablesbar zu machen: klarer Rebsortenausdruck, die Mineralität der Kamptaler Böden und eine Stilistik, die Trinkspaß und Lagerfähigkeit nicht als Gegensätze versteht.