Von 3,5 Hektar zur festen Größe im Kamptal
Als Winzertochter kannte Birgit Eichinger das Handwerk – dennoch war es 1992 ein echter Neuanfang: Sie gründete das Weingut in Strass im Straßertale auf eigenem Fundament, mit gerade einmal 3,5 Hektar aus dem elterlichen Betrieb. Was folgte, war kein geradliniger Aufstieg, sondern kontinuierliche, konsequente Arbeit. 1994 entstand ein neues Kellergebäude am Fuß des Ried Gaisberg – das Herzstück des Weinguts bis heute. Aus dem kleinen Betrieb wurden 16 Hektar in den besten Lagen rund um Strass, und das Weingut zählt mittlerweile zu den meistprämiierten Adressen des Landes. Heute führt Birgit das Haus gemeinsam mit ihrer Tochter Gloria, die von Beginn an klar wusste, dass sie einsteigen würde – weil es, wie sie sagt, keinen anderen Beruf gibt, der das Produkt von der ersten Idee bis zum Genuss begleitet.
Herkunft zeigen, nicht erklären – Philosophie und Arbeit im Weinberg
Birgit Eichigers Haltung lässt sich in einem Satz zusammenfassen: Weiterentwicklung statt Stagnation, Individualität statt Mainstream. Konkreter wird das im Weinberg: Gezielte Laubarbeit, Begrünung der Rebzeilen und ein respektvoller Umgang mit den Böden sind keine Marketingversprechen, sondern Teil der täglichen Arbeit. Im Keller wird kalt vergoren – Edelstahltanks, sorgfältige Mostklärung vor der Gärung, klare Frucht als Ziel. Grüner Veltliner reift je nach Jahrgang zusätzlich im großen Holzfass, wenn das dem Wein Tiefe gibt ohne ihn zu überformen.
Birgit Eichinger ist Mitglied der Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW) – jener Vereinigung, die das erste systematische Lagenklassifikationssystem für die Donauregion entwickelt hat und deren Erste Lagen als Maßstab für österreichischen Spitzenweinbau gelten. Die Lagenzugehörigkeit ist für das Weingut kein Zertifikat, sondern Arbeitsprogramm.
Grüner Veltliner und Riesling – mit Boden unter den Nägeln
Das Sortiment ist konsequent weiß: rund 60 Prozent Grüner Veltliner, dazu Riesling, Roter Veltliner und Chardonnay. Die Lagen bestimmen den Charakter. Am Heiligenstein – vulkanisches Urgestein, eine der historisch bedeutendsten Riesling-Lagen Österreichs – entstehen Weine mit kühler Frucht, Zug und mineralischem Nachhall. Der Lamm am Fuß des Heiligensteins, wo Urgestein auf Löss trifft, gilt im Kamptal als Referenz für Grünen Veltliner. Der Gaisberg, ein freistehender Urgesteinshügel, eignet sich für beide Sorten. Der Wechselberg, ebenfalls eine Mischung aus Urgestein und Löss, liefert die Grundlage für den Grüner Veltliner Wechselberg, der auch im Vinoscout-Sortiment zu finden ist. Was alle Weine verbindet: Reinheit, Mineralität und eine Länge, die nicht durch Extraktion, sondern durch Lagenpräzision entsteht. Mehr als die Hälfte der Produktion geht in den Export – ein stilles, aber deutliches Zeichen für die internationale Strahlkraft dieser Kamptal-Adresse.