Vom Politchaos zur Pionierrolle: Die Roquettes und Herdade do Esporão
Die Geschichte von Herdade do Esporão beginnt lange vor dem ersten Weinjahr. Die geografischen Grenzen des Gutes wurden 1267 festgelegt — und haben sich seither kaum verändert. Ursprünglich als Defesa do Esporão bekannt, trägt das Anwesen bei Reguengos de Monsaraz im Herzen des Alentejo seit Jahrhunderten Weinberge, Olivenhaine und drei historische Baudenkmäler: den Esporão-Turm, den Esporão-Bogen und die Kapelle Nossa Senhora dos Remédios.
Die jüngere Geschichte beginnt 1973, als José Roquette und Joaquim Bandeira das Gut erwarben — mitten in einer turbulenten politischen Epoche. Ein Militärputsch 1974 und die darauf folgende Verstaatlichung des Anwesens zwangen die Familie Roquette vorübergehend zur Emigration nach Brasilien. Nach ihrer Rückkehr produzierte José Roquette 1985 den ersten kommerziellen Wein des Gutes: den Esporão Reserva. Seit 1989 ist die Familie alleinige Eigentümerin. Heute führt João Roquette, die zweite Generation, das Unternehmen als Chairman des Esporão Group SA — eines der bedeutendsten familiengeführten Weingüter Portugals.
Biodynamisch, bodenständig, konsequent: Esporãos Weg zur Biolandwirtschaft
Als João Roquette 2006 in die Unternehmensführung eintrat, begann Esporão einen langen, schwierigen Transformationsprozess: die vollständige Umstellung auf ökologischen Landbau. Es war kein kleiner Schritt — das Gut umfasst insgesamt rund 1.840 Hektar mit sieben verschiedenen Bodentypen, von Granit und Schiefer bis zu Ton und Lehm. 2019 wurden alle 441 Hektar Weinberge von Kiwa-Sativa als biologisch zertifiziert. Synthetische Pestizide und Düngemittel sind seither vollständig verbannt; stattdessen setzt Esporão auf Kompost, Nützlinge, Schafbeweidung zwischen den Rebzeilen und gezielte Biodiversitätspflege.
Im Keller arbeitet das Team konsequent auf minimale Intervention hin: schwerkraftbetriebene, unterirdische Keller reduzieren den Energiebedarf, Gärungen laufen zunehmend in Betonbehältern und Amphoren ab, und Eichenholz wird gezielt zurückgefahren. Ein ampelografisches Freilandlabor von rund zehn Hektar — 2010 angelegt, heute mit 189 Rebsorten bepflanzt — dient der Erhaltung nationalen Rebguts und der Klimaanpassungsforschung. Esporão versteht Nachhaltigkeit dabei ausdrücklich ganzheitlich: ökologisch, sozial, kulturell und wirtschaftlich.
Alentejo in der Flasche: Rebsorten, Stil und was dich erwartet
Rund 40 der über 189 gepflanzten Rebsorten sind in Vollproduktion — darunter alentejaner Urgesteine wie Aragonês, Trincadeira, Touriga Nacional und Antão Vaz, ergänzt durch Syrah und Arinto. Der stilistische Kurs der letzten Jahre ist klar: weg vom internationalen Einheitsprofil, hin zu Weinen, die das Terroir von Reguengos de Monsaraz ehrlich abbilden. Weniger neue Eiche, mehr Frucht, mehr Mineralität — und eine wachsende Neugier auf alte Vinifikationstraditionen des Alentejo, darunter die Gärung in Tonfässern (talha). Die Weinberge liegen auf 200 bis 400 Metern Höhe, das Klima mediterran-kontinental mit über 3.000 Sonnenstunden im Jahr und extremen Sommerhitzeperioden — das prägt körperreiche, aromatisch dichte Weine mit klarer Struktur und Länge. Olivenöl aus 93 Hektar biologisch zertifizierten Hainen rundet das Sortiment ab.