Von Berlin nach Estremoz: Wie aus einer Reise ein Weingut wurde
Aliestre Vineyards ist kein gewachsenes Familienweingut, sondern ein bewusstes Neuanfang-Projekt — und genau das prägt seinen Charakter. Carsten Kullik, ein Weinliebhaber aus Berlin, reiste in den Alentejo und verliebte sich in Estremoz: die weißen Marmorbauten, die warme Gastfreundschaft, das goldene Licht über den Hügeln. Als ein Freund ihn darauf aufmerksam machte, dass die Quinta da Esperança — ein historisches Gut am Stadtrand von Estremoz — zur Verfügung stehe, war die Entscheidung schnell gefallen. „We are at the right place in the right moment", erinnert sich Kullik. Der Name Aliestre ist ein Akronym: Allies of Estremoz — eine Gruppe von Freunden, die gemeinsam ein Weinprojekt in einer Region gründeten, die sie begeistert hatte. Nach der Revitalisierung der Quinta da Esperança begann das Team, die Weine aus den 42 Hektar Weinbergen des Guts zu entwickeln. Oenologe Luis Louro verantwortet die Vinifikation.
Marmor, Schiefer, Kalk: Terroir als Leitprinzip auf der Quinta da Esperança
Das Herzstück von Aliestre ist die geologische Vielfalt des Guts. Die 42 Hektar Weinberge auf rund 400 Metern Höhe ruhen auf einer ungewöhnlichen Kombination aus Schiefer, Kalk und — charakteristisch für Estremoz — markanten Marmoreinschlüssen, die dem Boden eine besondere Frische und Mineralität verleihen. Rund um die Reben wachsen Korkeichwälder und Olivenbäume, die das typische Bild des zentral-alentejansichen Mischguts vervollständigen.
Im Keller setzt Aliestre auf eine klare, zweckorientierte Infrastruktur: eine moderne Produktionsanlage, ein unterirdischer Barrique-Keller mit Kapazität für 500 Fässer. Je nach Wein erfolgt der Ausbau im Edelstahltank oder im französischen Holzfass — stets mit dem Ziel, Frische und Herkunftscharakter zu bewahren statt zu überdecken. Für die Roten des „The Very First Day"-Projekts — Aliestres erstem Wein — wurden Alicante Bouschet, Touriga Nacional und Cabernet Sauvignon bis zu 18 Monate im Holz ausgebaut.
Zugänglich und präzise: ein Sortiment zwischen Alltagswein und ambitioniertem Cuvée
Das Sortiment gliedert sich in klar definierte Linien. Die Aliestre-Basis-Linie (Red, White) arbeitet mit der Rebsortenvielfalt des Alentejo: Syrah, Aragonez und Alicante Bouschet für die Roten — trocken ausgebaut, teilweise barriqueberührt, mit einer Säurestruktur, die Frische über Wärme stellt. Für die Weißen kommen die alentejansichen Sorten Arinto und Antão Vaz zum Einsatz, bekannt für belebende Säure und Salinität.
Die ONE-Linie hebt einzelne Rebsorten hervor — darunter eine sortentypische Touriga Nacional — und richtet sich an alle, die das portugiesische Rebsortenprofil gezielt erkunden wollen. Der frische Rosé unter dem Label „Dancing Grapes" rundet das Sortiment mit einem leichten, lebendig-fruchtigen Stil ab. Insgesamt steht Aliestre für einen modernen Alentejo-Ansatz: weniger Alkohol-Schwere, mehr Präzision, mit einem Terroir-Fingerabdruck, der die Marmorböden von Estremoz spürbar macht.