Vom Ritteorden zum Familienweingut: acht Jahrhunderte am Tejo
Die Geschichte der Quinta da Lagoalva de Cima reicht weiter zurück, als die meisten europäischen Weingüter auch nur zu träumen wagen. Bereits 1193 findet das Anwesen am südlichen Tejo-Ufer, unweit des Städtchens Alpiarça, seine erste urkundliche Erwähnung – König Sancho I. hatte diese Ländereien dem Ritterorden Santiago de Espada geschenkt, der sie anschließend sechs Jahrhunderte lang bewirtschaftete. 1834 erwarb Henrique Teixeira de Sampayo, 1. Graf von Póvoa, die Quinta; wenig später heiratete seine Erbin in die Adelsfamilie Palmela ein und brachte das Anwesen in die Casa Palmela ein. Heute führt die Familie Holstein Campilho – direkte Nachfahren dieser Linie – das Gut als Sociedade Agrícola Quinta da Lagoalva de Cima S.A. weiter. Als Weinproduzentin ist die Quinta seit 1888 verbrieft: Damals war sie auf der Exposição Portuguesa de Indústria mit 600 Fässern Wein vertreten.
660 Hektar Ribatejo, 45 Hektar Rebland – Keller zwischen zwei Welten
Das Gesamtanwesen umfasst 660 Hektar entlang des Südufers des Tejo, rund zwei Kilometer von Alpiarça und elf Kilometer von Santarém entfernt. Weinbau ist dabei nur ein Teil eines weitverzweigten landwirtschaftlichen Betriebs: Olivenöl, Korkeiche, Rinderhaltung und eine der ältesten Gestüte Portugals gehören ebenfalls zur Quinta. Von den Gesamtflächen sind 45 Hektar mit Reben bestockt – auf sandigen Böden, die trotz des warmen Tejo-Klimas für Frische und Frucht sorgen.
Im Keller verbindet das Winzerteam um Diogo Campilho und Pietro Pinho – Diogo sammelte Erfahrung in australischen Kellereien, Pietro bringt europäische Prägung mit – beide Ansätze gezielt: Traubensorten werden getrennt vinifiziert und erst danach zur Cuvée gefügt. Für die Rotweine schließt sich nach der Maischestandzeit die Vergärung in Edelstahltanks an, gefolgt von Ausbau in Holz. Dieses Nebeneinander von Präzision und Handwerk ist kein Zufall, sondern erklärtes Konzept.
Portugiesische Rebsorten, internationale Lesbarkeit – ein breites, charakterfestes Sortiment
Das Sortiment spannt einen weiten Bogen: von zugänglichen Gutsweiß- und Rotweinen bis zur Reserva- und Grande-Escolha-Linie, die längere Holzreifung und konzentriertere Frucht zeigen. Der Sauvignon Blanc überrascht mit einer Frische, die man in dieser Region selten erwartet. Sortimentstypisch ist auch ein reinsorteniger Alfrocheiro – eine Rebsorte, die eigentlich aus dem Dão stammt, auf den sandigen Böden von Lagoalva aber erstaunlich gut gedeiht. Daneben entstehen Cuvées aus Touriga Nacional und Syrah sowie ein Schaumwein nach klassischer Flaschengärung (Champenoise-Methode) aus Arinto und Alfrocheiro, der zwölf Monate auf der Feinhefe reift. Was alle Weine verbindet: eine klare Fruchtsprache, die portugiesischen Charakter mit internationaler Lesbarkeit verknüpft – ohne die Verwurzelung in einer der ältesten Gutsgeschichten am Tejo aufzugeben.