Vom Schmied zum Winzer: vier Generationen Famille Pugibet bei Béziers
Die Geschichte des Domaine La Colombette beginnt 1890 mit einem Hufschmied. Louis Pugibet verliebte sich in die Tochter eines Winzers und erhielt als Mitgift den ersten Hektar Rebland vor den Toren von Béziers. Er kaufte die umliegenden Parzellen hinzu und taufte das Gut nach der Rue de la Colombette in Toulouse – der Straße, aus der er stammte. Sein Sohn, im Volksmund „Petit Louis" gerufen, baute in wirtschaftlich schwierigen Zeiten Keller und Wohnhaus und hielt den Betrieb zusammen. 1966 übernahm François Pugibet das Domaine und legte den Grundstein für den heutigen Charakter des Gutes: technisch präzise, neugierig, ohne Respekt vor regionalen Konventionen. Heute führt er La Colombette gemeinsam mit seinem Sohn Vincent und dessen Frau Sophie – die vierte Generation am selben Hang über dem Flüsschen Libron, mit Blick auf das Mittelmeer.
Super Bio statt Standard-Öko: Weinbau ohne Kupfer, ohne Schwefel
Was La Colombette von anderen Bio-Betrieben unterscheidet, ist die konsequente Arbeit mit pilzresistenten Piwi-Reben. Piwi steht für „Pilzwiderstandsfähige Reben" – Sorten, die durch gezielte Kreuzungen traditioneller Rebsorten mit robusten Wildformen entstanden sind und gegen Echter wie Falschen Mehltau resistent bleiben. Das Ergebnis: kein Kupfer, kein Schwefel, keine synthetischen Pflanzenschutzmittel auf einem wachsenden Teil der Fläche. La Colombette ist heute der größte Anbauer dieser Rebsorten in Frankreich, mit rund 120 Hektar resistenter Reben – darunter Cabernet Blanc, Souvignier Gris, Muscaris und Cabernet Noir. François und Vincent Pugibet haben zudem die französische Fachorganisation Piwi France mitgegründet und maßgeblich daran mitgewirkt, dass die zuständige Behörde FranceAgriMer 2017 eine Reihe resistenter Sorten offiziell klassifizierte – und damit auch anderen Erzeugern den kommerziellen Anbau ermöglichte. Ergänzt wird dieser Ansatz durch ein hauseigenes Umkehrosmoseverfahren, mit dem das Gut eine leichte Weinlinie namens Plume auf 9 % vol. entwickelt hat – alle Aromen, weniger Alkohol, kein aromatischer Kompromiss.
Trinktemperatur Weißweine: 8–10 °C, Rotweine: 14–16 °C. Vinifikation und Abfüllung erfolgen ausschließlich auf dem Gut. Für die Spitzencuvées setzt François Pugibet auf Demi-Muids – traditionelle Languedoc-Fässer mit besonders dicken Dauben, deren Oberflächen-Volumen-Verhältnis eine elegante, langsame Oxidation im heißen Südklima begünstigt.
Chardonnay, Syrah, Grenache – und Sorten, die du kaum woanders findest
Das Sortiment von La Colombette spiegelt die Breite des Ansatzes wider. Klassische Languedoc-Rebsorten wie Syrah, Grenache, Cabernet und Merlot wachsen auf dem 2007 hinzugekauften Clos de Barbejo östlich von Béziers, einem vulkanischen Terroir, das in der Region selten ist. Daneben stehen Sorten, die in französischen Weinregalen kaum auftauchen: Cabernet Blanc liefert frische Weißweine mit lebendiger Säurestruktur; Souvignier Gris und Muscaris bringen aromatische Tiefe ohne den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln. Im Vinoscout-Sortiment vertreten sind der Pugibet Blanc auf Basis Chardonnay und der Pugibet Rouge aus Syrah und Grenache – zwei Weine, die den zugänglichen, fruchtbetonten Stil des Gutes zeigen: trinkfreudig, ohne Schwere, mit der Wärme des mediterranen Südens im Abgang. Gut zu Grillgemüse, Ziegenkäse oder einem einfachen Tomaten-Salat mit gutem Olivenöl.