Von der Emrich-Familie zu Schönleber: 250 Jahre Weingeschichte in Monzingen
Die Wurzeln des Weinguts reichen bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts zurück, als die Familie Emrich erstmals Weinbau im Nahetal betrieb. Damals war der Betrieb ein landwirtschaftlicher Mischbetrieb aus Acker-, Viehwirtschaft und Rebbau — wie in dieser Gegend üblich. Den entscheidenden Wandel leitete Wilhelm Schönleber ein, der in die Familie einheiratete und ab Mitte der 1960er-Jahre gemeinsam mit seinem Sohn Werner den Betrieb schrittweise zum reinen Weingut umstrukturierte. Die Rebfläche wuchs in dieser Phase von rund zwei auf zehn Hektar. Werner Schönleber kaufte gezielt in den besten Parzellen der Monzinger Gemarkung hinzu — darunter 2007 einen seit über 30 Jahren brachliegenden, extremen Steilhang am Halenberg, den kaum jemand bewirtschaften wollte. Heute umfasst das Gut rund 20 Hektar. Seit 1994 ist das Weingut Mitglied im VDP. Heute führen Werner und sein Sohn Frank Schönleber den Betrieb gemeinsam, wobei Frank vor allem den Keller verantwortet und jeden Wein persönlich von der Traube bis zur Abfüllung begleitet.
Steilhänge, Schieferböden und so wenig Eingriff wie möglich
Die Monzinger Weinberge liegen südlich einer großen Waldfläche, deren Kaltluftströme die Reife verlangsamen und die Aromaentwicklung begünstigen. Die Süd- und Südwesthanglagen erreichen bis zu 2000 Sonnenstunden im Jahr. Charakteristisch für die Toplagen Frühlingsplätzchen und Halenberg sind magere, vom Schiefer, Quarzit und Kiesel geprägte Gesteinsböden — sogenannte Waderner Schichten —, die kleinbeerige, aromenreiche Trauben hervorbringen. Das Frühlingsplätzchen weist im steilsten Bereich eine Neigung von 70 % auf; der Halenberg liegt durchschnittlich bei 50 % Steigung. Im Weinberg setzt das Weingut auf intensive Laubarbeit und strenge, selektive Handlese. Im Keller gilt das Prinzip: so wenig Eingriff wie möglich. Die Gärung verläuft langsam und spontan, die Weine reifen auf der Feinhefe in alten Holzfässern, die dem Wein keine eigene Aromatik aufzwingen, sondern den Parzellencharakter durchscheinen lassen.
Riesling als Maßstab — von der Gutsflasche bis zum Großen Gewächs
Rund 85 % der Rebfläche sind mit Riesling bestockt; Grau- und Weißburgunder ergänzen das Sortiment. Drei VDP-Große Lagen — Frühlingsplätzchen, Halenberg und Auf der Ley — nehmen zusammen mehr als die Hälfte der Rebfläche ein und liefern die Lagenweine, für die das Weingut international bekannt ist. Der Halenberg steht für kühle Mineralik, dichte Struktur und ein Reifepotenzial, das Jahrzehnte umspannen kann. Das Frühlingsplätzchen bringt durch seinen roten Schieferboden etwas frühlingshaftere, fruchtbetontere Weine mit Pfirsich, reifem Apfel und kräutrigen Noten. Was das Sortiment zusammenhält, ist ein klares Stilbild: Ehrlichkeit gegenüber der Herkunft, keine Überarbeitung, keine Gefälligkeit auf Kosten des Charakters. Das gilt vom Gutswein bis zum Großen Gewächs — die Weine zeigen ihr Terroir ungeschminkt und brauchen keine Inszenierung.