Von Grand-Poujeaux zu Chasse-Spleen: eine Moulis-Geschichte seit dem 18. Jahrhundert
Château Chasse-Spleen liegt in Moulis-en-Médoc, der kleinsten kommunalen Appellation des Médoc, nordwestlich von Margaux. Die vitikulturellen Wurzeln des Gutes reichen bis ins 16. Jahrhundert zurück; als eigenständiges Weingut entstand es aus der Teilung des weitaus größeren Domaine Grand-Poujeaux, die 1822 aus Erbschaftsgründen aufgesplittet wurde. Aus der verbliebenen Hälfte gingen schließlich mehrere Bordeaux-Châteaux hervor, darunter Maucaillou, Poujeaux und Chasse-Spleen selbst. Der Name des Guts ist bis heute Gegenstand zweier poetischer Überlieferungen: Eine führt ihn auf einen Besuch Lord Byrons im Jahr 1821 zurück, der andere auf Charles Baudelaire, dessen berühmtes Gedicht Spleen den Begriff in die Literaturgeschichte einschrieb.
Seit 1976 liegt das Château in den Händen der Familie Merlaut, heute geführt von Céline Villars-Foubet. Unter ihrer Führung wurde der Weinberg konsequent ausgebaut — zuletzt durch die Übernahme des benachbarten Château Brillette im Jahr 2023, das weitere Flächen in Moulis hinzufügte. Das Gut zählt damit zu den flächenmäßig größten Anwesen im gesamten Médoc.
Weinberg, Keller und der Rat von Émile Peynaud
Der Weinberg umfasst Flächen überwiegend unter der Appellation Moulis-en-Médoc, ergänzt durch ein Dutzend Hektar Haut-Médoc. Bepflanzt ist er mit Cabernet Sauvignon als dominanter Sorte, ergänzt durch Merlot, Petit Verdot und Cabernet Franc — ein klassisches Linksufer-Profil, das dem Terroir aus Kies und Lehm über Kalksteinuntergrund entspricht. Nach der Übernahme durch die Familie Merlaut wurde die Rebdichte in weiten Teilen des Weinbergs erhöht und die Kellerausstattung grundlegend modernisiert; Qualitätsberater war dabei der legendäre Önologe Émile Peynaud.
Im Keller werden die Trauben in einer Kombination aus Stahl- und Holzbehältern vinifiziert; die Malo-Gärung erfolgt ausschließlich im Stahltank. Der assemblierte Wein reift anschließend 12 bis 18 Monate in französischen Eichenbarriques, wobei der Anteil neuer Fässer bei rund 40 % liegt. Das Château hält dabei bewusst die Waage zwischen Fruchtausdruck und Holzeinfluss — kein leichtes Ziel bei einem Cabernet-dominierten Cuvée mit diesem Reifepotenzial.
Strukturierter Médoc-Stil mit literarischem Charakter
Die Weine von Chasse-Spleen zeigen das klassische Profil des linken Ufers: dunkle Beerenfrüchte — Cassis, schwarze Kirsche — unterlegt von Zedernholz, Graphit und einem Hauch Leder. Die Tannine sind fest, aber eingebunden; die Säurestruktur gibt den Weinen Kontur ohne Schärfe. Das Gut ist seit 1932 als Cru Bourgeois Exceptionnel klassifiziert, hat sich jedoch bewusst von der Cru-Bourgeois-Hierarchie zurückgezogen und positioniert seine Weine allein über Qualität und Kritikermeinung — ein für den Médoc ungewöhnlicher Weg.
Im Vinoscout-Sortiment findet sich L'Oratoire de Chasse-Spleen, der Zweitwein des Château, der die typische Stilistik des Hauses zugänglich macht: Moulis-Tiefe, klare Frucht, Struktur ohne Schwere. Erhältlich auch als Magnum — für Anlässe, bei denen eine Flasche schlicht zu wenig ist.