Von der Genossenschaftsidee zur größten Chianti-Classico-Familie
Am 21. Juni 1965 gründete Cavalier Gualtiero Armando Nunzi zusammen mit einer ersten Gruppe von 17 Weinbauern aus dem florentinischen Chianti Classico die Kellerei Castelli del Grevepesa. Die Idee war für ihre Zeit ambitioniert: eine moderne Genossenschaftskellerei, die die Trauben mehrerer kleiner Betriebe bündelt und nach den strengen Regeln des damaligen Consorzio Gallo Nero gemeinsam vinifiziert. Als Symbol wählten die Gründer die Schwertlilie, die wild zwischen dem Val di Greve und dem Val di Pesa wächst – ein Sinnbild für Widerstandskraft und die enge Bindung an die florentinische Kultur.
Aus den anfänglich 17 Winzern ist längst die größte Familie des Chianti Classico geworden: heute zählt die Genossenschaft über 120 angeschlossene Weinbaubetriebe aus verschiedenen Teilzonen der Appellation. Ein wichtiger Produktionsstandort liegt in Montespertoli im Tal des Virginio-Bachs, wo seit Jahrhunderten Reb- und Olivenanbau die Landwirtschaft prägen; die dortige Genossenschaft der Colli Fiorentini wurde 1972 gegründet und 1988 sowie 1993 um die Cantina Sociale Colline d'Elsa aus Gambassi Terme und die genossenschaftliche Ölmühle von Montespertoli erweitert.
Gemeinsam für Terroir und Tradition
Die Mitgliedsbetriebe bewirtschaften Lagen in Greve in Chianti, San Casciano Val di Pesa, Tavarnelle Val di Pesa und Barberino Val d'Elsa, ergänzt durch Zulieferer aus San Gimignano und der Maremma. Diese Vielfalt an Kleinstlagen erlaubt es Castelli del Grevepesa, ein breites Spektrum toskanischer Terroirs abzubilden – jeder Weinberg mit eigenem Mikroklima und eigenem Boden fließt in eine entsprechend eigenständige Abfüllung.
Die Kellerei investiert in Energieeffizienz, von moderner Beleuchtung über Photovoltaik bis zu einer Heizzentrale auf Hackschnitzelbasis. Parallel entstehen biologische Erzeugnisse und Weine ohne Schwefelzusatz.
Vom Gran-Selezione-Chianti bis zum jahrhundertealten Vin Santo
Das Sortiment reicht von Chianti DOCG und Chianti Classico DOCG über die Riserva- und Gran-Selezione-Linien Lamole und Panzano bis zu Bolgheri und Nobile di Montepulciano. Jede Etikette entsteht aus Trauben des jeweils passenden Teilgebiets und zeigt dadurch einen eigenen Charakter.
Eine der ältesten Traditionen des Hauses ist der Vin Santo: Trebbiano- und Malvasia-Trauben werden von Hand gelesen, auf Schilfmatten appassiert und anschließend langsam in kleinen Caratelli aus Kastanien- oder Eichenholz vergoren. Entscheidend für den Charakter ist die sogenannte Madre, die feinhefige Starterkultur aus dem Vorjahr, die die Fermentation in Gang hält. Nach mindestens drei Jahren Reifung im Caratello wird der Wein filtriert und abgefüllt – so entstehen der Castelgreve Vin Santo del Chianti Classico und die Riserva Clemente VII. Farblich zeigt sich der Castelgreve bernsteingelb mit goldenen Reflexen, in der Nase Aprikose, Rosinen und Feige, am Gaumen samtig mit fein eingebundener Süße. Serviere ihn bei 12 bis 18 °C zu Cantuccini, trockenem Mandelgebäck oder einem würzig-reifen Käse.