Von der Osteria zum Referenzweingut der Colli Tortonesi
Die Geschichte von Cantine Volpi beginnt 1914 in Tortona, Provinz Alessandria, als eine Frau namens Cristina zusammen mit ihren zwei Söhnen eine alte Gaststätte im Stadtzentrum kauft — das Cappel Verde. Dort wird Wein zunächst glasweise ausgeschenkt, bald darauf auch als Handelsgut in die Region geliefert. Die strategische Lage von Tortona, eingekeilt zwischen Piemont, Lombardei, Ligurien und der Emilia-Romagna, macht die Stadt zu einem natürlichen Knotenpunkt des Weinhandels. Aus dieser kleinen Osteria wächst über fünf Generationen ein Familienunternehmen, das heute zu den bekanntesten Adressen des piemontesischen Weinbaus zählt. Heute leiten Carlo Volpi, seine Frau Laura und seit 2020 auch Sohn Marco — die fünfte Generation — das Unternehmen gemeinsam.
Ein weiterer Meilenstein: 2003 erwirbt Carlo Volpi nach jahrelangen Verhandlungen die Cascina La Zerba in Volpedo, ein Landgut, das sein Vater schon lange im Blick hatte. 2022 wird ein Flügel des Anwesens zur Degustationslage ausgebaut, inmitten der Timorasso- und Barbera-Reben. 2019 bündelt Cantine Volpi alle Produktionsschritte — von der Traubenannahme bis zur Abfüllung — in einer neuen Vinifikationsanlage am Hauptsitz in Tortona.
Pionierarbeit zwischen Bioweinbau und gesamtitalienischem Sortiment
Cantine Volpi steht für eine konsequente Innovationshaltung, die sich durch die gesamte Unternehmensgeschichte zieht. In den 1970er und 1980er Jahren positioniert sich das Haus mit einem Cortese Frizzante aus den Colli Tortonesi als einer der frühen Vorreiter des naturperlenden Weißweins — lange bevor Prosecco und Franciacorta ihre heutige Bekanntheit erreichten. In denselben Jahrzehnten hält die Barrique Einzug in den Keller, und das Haus beginnt mit der Produktion von Novello-Weinen. In den 1990er Jahren geht Cantine Volpi einen weiteren, damals ungewöhnlichen Schritt: als eines der ersten Weingüter Italiens setzt man konsequent auf biologischen Weinbau in großem Maßstab. Heute macht Bio rund 70 % der Gesamtproduktion aus. Aus dieser Phase entstammt auch die Strategie, langfristige Partnerschaften mit Erzeugern aus ganz Italien einzugehen, um ein vollständiges Portfolio des Landes abbilden zu können — darunter Weine aus Apulien wie der Doppio Passo Primitivo.
Timorasso, Barbera und Primitivo — Handschrift mit Tiefe
Das Herzstück des eigenen Anbaus liegt in den Colli Tortonesi: Barbera Superiore und Timorasso Derthona aus den Reben der Cascina La Zerba bilden die Spitze des Eigengewächs-Sortiments. Der Timorasso — eine wiederentdeckte autochthone Weißweinsorte aus dem Tortonesischen — zeigt, was diese Hügellage kann: mineralische Struktur, Lagerfähigkeit, Tiefe. Die Barbera aus Volpedo, wo die Sorte schon vor der DOC-Anerkennung kultiviert wurde, ergänzt das Bild mit saftigem Fruchtfleisch und klarer Säurestruktur. Dazu kommen Cortese, Dolcetto, Barolo und Moscato aus dem weiteren piemontesischen Umfeld sowie Weine aus anderen bedeutenden italienischen Anbaugebieten. Über 4 Millionen Flaschen verlassen jährlich Tortona — 90 % davon in den Export, in mehr als 35 Länder weltweit.