Von 12 Hektar zur Lugana-Referenz: die Contatos am Gardasee
Die Geschichte von Cà Maiol beginnt 1967, als der Mailänder Unternehmer Walter Contato am südlichen Ufer des Gardasees einen landwirtschaftlichen Betrieb gründete — auf gerade einmal 12 Hektar Rebfläche, dort wo die Turbiana-Rebe schon immer ihre überzeugendsten Ergebnisse lieferte. Der Name des Gutes geht auf eine noch ältere Geschichte zurück: Bereits 1710 errichtete der Desenzaner Notar Sebastiano Maiolo auf diesem Anwesen seinen landwirtschaftlichen Betrieb — das älteste der heute vier Gutshäuser steht seither unter Reben. Walter Contato war es auch, der gemeinsam mit lokalen Winzern das Schutzkonsortium des Lugana D.O.C. mitbegründete und damit den Grundstein für die spätere Bekanntheit der gesamten Appellation legte. 1996 übernahmen seine Kinder Fabio und Patrizia Contato die Leitung des Weinguts und führten die Expansion weiter voran. Seit 2017 ist Cà Maiol Teil der Herita Marzotto Wine Estates, einer auf Qualitätsweingüter spezialisierten Gruppe, die auf den eigenständigen Charakter jedes ihrer Betriebe setzt.
Schwerkraft statt Pumpen: Handwerk und Technologie im Einklang
Cà Maiol bewirtschaftet heute 118 Hektar Rebfläche rund um den Gardasee — im Süden das Lugana-Gebiet mit seinen kalkhaltigen Lehmböden, im Südwesten die Rotweinzone Valtènesi. Der Betrieb verteilt sich auf vier Güter: Hauptgut Cà Maiol sowie die angegliederten Lagen Molino, Rocchetta und Storta. Das milde Seeklima, moderiert durch die Wassermasse des Gardasees, schützt die Reben vor Extremtemperaturen und sorgt für gleichmäßige Reife. Im Weinberg gilt das Prinzip einer ökosystemverträglichen Bewirtschaftung, die auf den Erhalt der Bodenbiologie und der umgebenden Artenvielfalt ausgerichtet ist — Cà Maiol ist als Biodiversity Friend zertifiziert.
Im 2000 neu erbauten Keller steht Schwerkraft im Mittelpunkt: Die gesamte Vinifikation erfolgt gravitätisch, also ohne mechanische Pumpen, was für eine so druckempfindliche Sorte wie Turbiana entscheidend ist, um Aromaverluste zu vermeiden. Jeder Weinberg kann separat vinifiziert werden, was eine präzise Lagenselektion erlaubt. Für den Prestige-Lugana arbeitete Fabio Contato eng mit dem französischen Önologen Michel Rolland zusammen, dessen Handschrift in der Stilistik dieses Weines bis heute sichtbar ist.
Turbiana und Gropello: zwei Gesichter eines außergewöhnlichen Terroirs
Das Sortiment spiegelt die geografische Zweiteilung des Betriebs. Im Zentrum steht die Turbiana, Leitrebsorte des Lugana DOC — von der klassischen Jahrgangsabfüllung über den Molin Lugana Superiore bis hin zum Prestige und der Riserva Fabio Contato. Letztere stammt aus den ältesten, ertragsschwachen Parzellen, wird teilweise in französischen Barriques und Tonneaux ausgebaut und verbringt mindestens sechs weitere Monate auf der Flasche — ein Lugana mit ausgesprochenem Reifepotenzial, der im Alter Noten von Petrol und reifen Früchten entwickelt, ohne seine Frische einzubüßen. Auf der roten Seite setzt Cà Maiol auf die Valtènesi-DOC: Der Roseri Chiaretto aus Groppello, Barbera, Sangiovese und Marzemino steht für den klassischen, tiefrosafarbenen Rosé des Westufers, der Groviglio und der Fabio Contato Valtenesi Rosso für komplexere Rotweincuvées aus denselben autochthonen Sorten. Wer die Bandbreite des Betriebs kennenlernen möchte, findet im Sortiment alles von frischem Einsteiger-Lugana bis zu lagerfähigen Selezione-Weinen — eine klare Handschrift, die zeigt, was kalkhaltige Seenähe und konsequentes Handwerk aus zwei so unterschiedlichen Appellationen herausholen können.