Von der Fass-Abfüllung zur Leitadresse des Yecla
Ramón Castaño Santa begann 1950 damit, Weine in Yecla auszubauen — zunächst ausschließlich als Fasswein. Was ihn von anderen unterschied: Er erkannte früh, was die Monastrell-Traube in diesem kargen, sonnenreichen Landstrich leisten kann, lange bevor die Region internationale Aufmerksamkeit bekam. In den 1980er-Jahren vollzog die Familie einen entscheidenden Schritt: Als erste Bodega in Yecla wechselte sie konsequent von der Schüttweinfüllung zur Flaschenabfüllung unter eigenem Namen — zu einem Zeitpunkt, als Monastrell andernorts fast ausschließlich als anonyme Verschnittkomponente galt. Ramóns drei Söhne Juan, Pedro und Daniel stiessen im Laufe der folgenden Jahre dazu und trieben die Qualitätsorientierung weiter voran. Heute leitet Daniel Castaño das Weingut und hält den Kurs, den sein Vater eingeschlagen hat.
Yecla selbst ist eine Besonderheit: Die DO, seit 1975 anerkannt, umfasst exakt eine einzige Gemeinde — die Stadt Yecla im nördlichsten Zipfel der Region Murcia. Castaño hat massgeblich dazu beigetragen, diesen kleinen Appellation auf die internationale Weinkarte zu setzen.
Kalkstein, Höhenlage, Trockenfeldbau
Die rund 500 Hektar Eigenweinberge verteilen sich auf mehrere Lagen innerhalb der DO Yecla — alle auf Höhen zwischen 600 und 850 Metern über dem Meeresspiegel. Diese Höhenlage ist entscheidend: Mediterrane Sonneneinstrahlung trifft auf deutliche Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht, was die Säurestruktur in den Weinen bewahrt, die sonst in so heissem Klima verloren ginge. Die Weinberge teilen sich in zwei charakterlich unterschiedliche Zonen auf: Campo Arriba im Norden, mit rund 70 % Kalkstein, 15 % Sand und 15 % Ton — trockener, extremer in den Temperaturen, Heimat der ältesten Monastrell-Stöcke. Campo Abajo bietet mehr Humus und organische Substanz, mit höherem Lehmanteil.
Die Reben werden als Trockenfeldbau ohne Bewässerung kultiviert. Kein Wasser bedeutet Stress, und Stress bedeutet tiefe Wurzeln und konzentrierte Frucht. Für den Ausbau stehen zwei Vinifikationskeller sowie ein unterirdischer Barriquekeller zur Verfügung, in dem Temperatur und Luftfeuchtigkeit kontrolliert gehalten werden. Nachhaltigkeit und der Erhalt alter Rebstöcke sind erklärte Leitlinien — ein Teil des Sortiments trägt bereits eine Bio-Zertifizierung.
Monastrell als Programm — von frisch bis gereift
Rund 80 % der Rebfläche ist mit Monastrell bepflanzt. Die Traube verlangt Geduld: Sie reift spät, braucht Wärme zum Aufschliessen ihrer Tannine, reagiert empfindlich auf Nässe. Yecla ist für sie ein Idealstandort, wo sie vollreife, dunkle Frucht mit einem für das Klima überraschend frischen Säurerückhalt verbindet. Das Ergebnis sind Weine mit sattem Granatrot, Aromen von reifen Beeren, Kirschen und dunkler Pflaume, getragen von würzigen Noten — je nach Ausbaustil ergänzt um Kakao, Tabak und Röstanklänge aus dem Barriquefass.
Das Sortiment spannt einen breiten Bogen: von zugänglichen Jungweinen wie dem Hécula — Monastrell aus alten, nicht bewässerten Rebstöcken — über die süsslichen Stile der Casa Carmela-Linie (Dulce Tinto, Semi-Dulce Tinto, Semi-Dulce Blanco) bis hin zu körperreicheren Barrique-Cuvées, in denen Monastrell mit Garnacha Tintorera oder Syrah kombiniert wird. Die Weissweine setzen auf Macabeo und Chardonnay. Servierempfehlung für die roten Weine: 16–18 °C, zu Lammragout, gegrilltem Iberico-Fleisch oder würzigen Eintopfgerichten aus der murcianischen Küche.