Ein Château-Traum in der Rioja Alavesa
Der Name Campillo ist kein Marketing-Einfall, sondern Familiengeschichte: Viña Campillo hieß das erste Weinstück, das die Familie Martínez Zabala in der Rioja Alavesa erwarb — und das später der Reblaus zum Opfer fiel. Julio Faustino Martínez, dritte Generation des 1861 gegründeten Grupo Faustino, holte diesen Namen zurück, als er in den späten 1980er-Jahren sein größtes Projekt anging: eine Bodega, die nicht im Dorf, sondern mitten im Weinberg steht. Seit dem 28. September 1990 ist das Gebäude offen — entworfen vom Architekten Aurelio Ibarrondo als erstes eigens von einem Architekten geplantes Weingut der Region. Die Natursteinfassade mit ihren sieben Rundbögen, hölzernen Kragsteinen und gotisch anmutenden Steingewölben ließ sich damals vom mittelalterlichen Stadtbild Laguardias inspirieren und ist vom Mauerring der Stadt aus weithin sichtbar.
Campillo gehört heute zum Grupo Faustino, dem Familienverbund unter Führung der vierten Generation der Martínez Zabala, der neben Campillo weitere Bodegas in Rioja, Ribera del Duero, Navarra und La Mancha vereint. Innerhalb der Gruppe nimmt Campillo eine klar definierte Rolle ein: Es ist das weinbergzentrierte Château-Projekt, das alle Trauben aus dem eigenen Gut verarbeitet.
Viñedo propio: 50 Hektar Ton und Kalk auf 610 Metern
Die Bodega steht buchstäblich im Mittelpunkt ihrer Weinberge: 50 Hektar Lagen umgeben das Gebäude, aufgeteilt in sieben kleinere Parzellen auf ton- und kalkhaltigen Böden auf rund 610 Metern über dem Meeresspiegel. Das Klima der Rioja Alavesa ist kontinental mit atlantischen Einflüssen — kühlere Nächte und guter Wind helfen Tempranillo, Farbe und Tannin aufzubauen und gleichzeitig die Säure zu halten. Angebaut werden neben Tempranillo auch Graciano, Tempranillo Peludo, Garnacha, Cabernet Sauvignon und — für den Weißwein — Viura. Die Lese erfolgt ausschließlich per Hand; in den ältesten Parzellen werden die Trauben in Kisten gelesen, um Quetschungen zu vermeiden.
Im Keller wird in amerikanischen Eichenfässern mit feinem Korn sowie in französischen Fässern aus den Wäldern Tronçais und Allier ausgebaut. Die Reifezeiten liegen bewusst über den Mindestvorgaben des Consejo Regulador — ein Ansatz, der sich durch die gesamte Linie zieht und die Weine stilistisch von schnell gedrehten Rioja-Produktionen abhebt. Das Ergebnis ist eine Jahresproduktion von rund einer Million Flaschen, die vollständig aus eigenem Traubengut stammen.
Vom klassischen Rioja-Gerüst zum alten Tempranillo Peludo
Das Sortiment folgt dem klassischen Rioja-Gerüst aus Crianza, Reserva und Gran Reserva, geht aber an beiden Enden darüber hinaus. Der Campillo Blanco Fermentado en Barrica zeigt, was Viura im Holz leisten kann: Struktur und Schmelz statt bloßer Frische. Am anderen Ende der Linie steht der Campillo 57 Gran Reserva, der nur in den besten Jahren produziert wird — und 2021 vom spanischen Landwirtschaftsministerium zum besten Wein des Jahres gekürt wurde. Besondere Aufmerksamkeit verdient der Raro Finca Cuesta Clara: Dieser Reserva entsteht nicht in jedem Jahrgang und basiert auf Tempranillo Peludo, einer alten Klon-Variante mit behaarter Blattunterseite, die intensiver Selektion bedarf und Weine mit eigenwilligem Tiefgang ergibt. Die Reserva Colección ergänzt das Angebot als kuratierte Mittellage zwischen Alltagstauglichkeit und Lagerpotenzial.
Über das Weinmachen hinaus hat Campillo den Enotourismus in der Rioja Alavesa früh mitgeprägt. Die Martínez Zabala Gallery bespielt die Kellerräume mit wechselnden Ausstellungen zeitgenössischer spanischer Kunst — 2025 wurde Campillo dafür von den Great Wine Capitals mit dem Best of Wine Tourism Award in der Kategorie Art & Culture für die Region Bilbao-Rioja ausgezeichnet.