Von deutschen Wurzeln zum ältesten Weingut des Napa Valley
Jacob Beringer kam in den 1860er Jahren aus Deutschland nach New York. Nach einer ersten Station als Kellermeister bei Charles Krug in St. Helena erkannte er das Potenzial der Napa-Böden — warm, gut drainiert, den fränkischen Lagen seiner Heimat nicht unähnlich. 1875 kauften Jacob und sein Bruder Frederick 215 Acres Land in St. Helena; die erste Ernte folgte 1876. Damit ist Beringer Vineyards das älteste ununterbrochen produzierende Weingut Kaliforniens, eingetragen im National Register of Historic Places und als California Historical Landmark ausgewiesen. Das markanteste Bauwerk des Anwesens ist das 1883 begonnene Rhine House — ein 17-Zimmer-Herrenhaus im viktorianischen Stil mit belgischen Jugendstil-Buntglasfenstern, das Frederick Beringer nach dem Vorbild des elterlichen Hauses am Rhein erbauen ließ. Selbst die Prohibition konnte dem Betrieb nichts anhaben: Beringer produzierte Sakramentalwein und trocknete Teile der Ernte, ohne auch nur einen Jahrgang auszulassen. 1934, unmittelbar nach dem Ende der Prohibition, öffnete das Weingut als erstes in Kalifornien seine Türen für öffentliche Touren und Weinproben — ein Schritt, der den Weintourismus im Napa Valley mitbegründete.
Nachhaltige Weinberge, historische Keller, moderne Kellertechnik
Beringer bewirtschaftet Lagen in neun Teilappellationen von Napa bis zum Knights Valley in Sonoma. Besonders das Steinhauer Ranch-Weingut auf dem Howell Mountain — auf 550 Metern Höhe, 36 Acres groß — gilt als eine der besten Cabernet-Sauvignon-Lagen der Gegend: kühleres Klima, hohe Sonneneinstrahlung, mineralreicher Boden. Im Knights Valley, dessen vulkanischer, gut drainierter Boden dem Anbau von Cabernet Sauvignon und Sauvignon Blanc zugute kommt, ist Beringer seit den 1960er-Jahren verwurzelt. Alle Weinberge sind durch Dritte zertifiziert nachhaltig bewirtschaftet. Konkrete Maßnahmen: minimale Bodenbearbeitung zum Schutz vor Erosion, Kompostierung organischer Abfälle, Zwischenbepflanzung mit Deckfrüchten sowie Tröpfchenbewässerung mit Feuchtigkeitssensoren zur Wasserreduzierung. Im Keller verbinden sich 150 Jahre Handwerk mit moderner Önologie: Die 1877 händisch gegrabenen Weinkeller unter dem Anwesen — rund 1.200 Laufmeter Tunnel — werden bis heute für die Weinreifung genutzt. Sie halten konstant rund 14 °C, ohne technische Kühlung. Ergänzt wird das historische Kellergebäude durch eine separate, nicht öffentliche Produktionsanlage sowie ein eigenes Forschungs- und Sensoriklabor für die Weiterentwicklung der Premiumlinien.
Cabernet, Chardonnay, Zinfandel — ein Sortiment mit klarer Stilistik
Das Sortiment reicht von zugänglichen Alltagsweinen der Classic- und Founders'-Estate-Linie bis zu den lagefokussierten Private-Reserve-Cuvées aus Napa Valley. Der Private Reserve Cabernet Sauvignon ist die Flaggschiff-Cuvée: Er wurde 1990 von Wine Spectator zum Wein des Jahres gekürt, und der Chardonnay Private Reserve 1994 erhielt dieselbe Auszeichnung 1996 — als erster Weißwein überhaupt in der Geschichte dieser Wahl. Damit ist Beringer das einzige Weingut, das den Titel sowohl mit einem Rot- als auch mit einem Weißwein gewann. Der Stil der Weine spiegelt die Herkunft wider: Die Cabernet Sauvignons aus Napa zeigen dunkle Frucht, strukturierte Tannine und Tiefe, die vom Fassausbau und den mineralhaltigen Böden profrägen. Die Chardonnays aus dem Napa Valley sind cremig und druckvoll, mit gelber Frucht und würzigen Holznoten. Die Founders'-Estate-Linie, breiter sourct aus dem kalifornischen Anbaugebiet, bietet fruchtigere, unkompliziertere Trinkerlebnisse — darunter auch ein roséfarbener Zinfandel mit deutlicher Restsüße, der gerade in der warmen Jahreszeit Anklang findet. Gemeinsam ist allen Linien der Anspruch, die jeweiligen Rebsorten klar sprechen zu lassen — ohne Überarbeitung, ohne falsche Theatralik.