Vom Erbe des Gigi Pira zum eigenen Weingut
E. Pira & Figli sitzt im Herzen von Barolo. Die Familie Pira ist dort seit dem 17. Jahrhundert als Winzerfamilie dokumentiert. Luigi 'Gigi' Pira starb ohne Erben. Anfang der 1980er Jahre übernahm daraufhin die Familie Boschis das Gut, der auch das historische Haus Giacomo Borgogno gehörte. Chiara Boschis studierte damals Wirtschaft in Turin. Sie überzeugte ihre Eltern, für den Kauf das Haus zu beleihen.
Bis 1990 führte die Familie die Produktion weiter. Dann übernahm Chiara die Leitung. Sie gilt als erste Frau, die in den Langhe ein Weingut besaß und führte. Unter den Barolo Boys war sie die einzige Frau. Seit 2010 arbeitet ihr Bruder Giorgio im Betrieb mit.
Grüne Lese, Barrique und Bio in Cannubi
Mit Winzern wie Elio Altare und Domenico Clerico brach Chiara Boschis mit der Tradition. Sie schnitt Trauben grün, um die Erträge zu senken. Die Maischestandzeiten wurden kürzer, und der Ausbau erfolgte in französischen Barriques statt in großen Holzfässern. Die Weine sollten früher zugänglich sein und trotzdem lagerfähig bleiben.
Heute bewirtschaftet das Gut rund elf Hektar in Barolo, Monforte d'Alba und Serralunga d'Alba. Es war das erste Gut in Cannubi, das auf biologischen Weinbau umstellte. Die Bio-Zertifizierung besteht seit 2014. Seit 2022 tragen die Weine den Green Emblem des Wine Advocate für nachhaltiges Arbeiten. Die Lagen werden getrennt ausgebaut, damit jede ihren eigenen Charakter zeigt.
Cannubi, Mosconi, Via Nuova: drei Barolo, drei Handschriften
Der Cannubi wächst auf nur 0,7 Hektar, die 1982 mit Michet, Lampia und Rosé bepflanzt wurden. Er steht auf hellen Kalkböden in rund 300 Metern Höhe. Der Wein wirkt filigran und blumig. Chiara Boschis vergleicht ihn mit einer Ballerina auf Zehenspitzen. Der Mosconi aus Monforte d'Alba wächst auf eisenreichem, schwerem Ton. Er ist strukturierter und mineralischer. Ausgebaut wird er 24 Monate in französischer Eiche.
Der Barolo 'Via Nuova', 100 % Nebbiolo, vereint Trauben aus mehreren Lagen: Terlo und Liste in Barolo, Ravera und Mosconi in Monforte sowie Gabutti und Baudana in Serralunga. Er wird im Stahl vergoren und in Eiche ausgebaut. Kritiker beschreiben ihn als den straffsten Barolo im Sortiment, mit Noten von Rosenblüte, Sauerkirsche und Orangenschale. Dazu passen Trüffelrisotto oder geschmorte Fleischgerichte. Daneben füllt das Gut Dolcetto d'Alba, Barbera d'Alba und Langhe Nebbiolo ab.