Von Jena in die Steillagen des Gleistals — Wolfram Proppes Weg zum eigenen Weingut
Wolfram Proppe wurde 1982 in Jena geboren, nur wenige Kilometer von den Weinbergen entfernt, die heute seine Heimat sind. Nach der Winzerausbildung folgte ein Technikerstudium für Weinbau, Önologie und Brennereitechnologie an der Lehr- und Versuchsanstalt Weinsberg — der ältesten deutschen Weinbauschule. Erste Praxisjahre verbrachte er in Württemberg, unter anderem als Kellermeister beim Thüringer Weingut Bad Sulza. 2006 kehrte er zurück in die Region und belebte im Gleistal bei Golmsdorf eine über 800 Jahre alte Weinbautradition neu: Mit der Bestockung der Einzellage Golmsdorfer Gleisburg begann ein Kapitel, das 2007 in die Gründung des eigenen Weinguts mündete — zunächst im Nebenerwerb, seit 2014 hauptberuflich. Wencke Proppe, Weinbetriebswirtin B.A., führt das Weingut als Wolfram & Wencke Proppe GbR gemeinsam mit ihm: Sie verantwortet die betrieblichen Abläufe, die Außenwirkung und zahlreiche Qualitätsbausteine im Hintergrund.
Naturnahe Handarbeit auf Muschelkalk — was im Weinberg und Keller zählt
Die Lage der Weinberge ist denkbar günstig: Am Südhang des Großen Gleisberges, geschützt vor Westwinden durch den Ausläufer des Jenaer Hufeisens, liegt die Einzellage Golmsdorfer Gleisburg im Übergang des Gleistals zum mittleren Thüringer Saaletal. Der Boden aus Muschelkalk und Buntsandstein ist nährstoffarm und zwingt die Reben, tief zu wurzeln. Das prägt den Charakter der Weine spürbar. Im Weinberg hat Handarbeit Vorrang: Das Wachstum der Reben wird gezielt unterstützt, ihr Charakter aber von Lage, Klima und Boden bestimmt. Wolfram Proppe setzt auf späte Lese und ausreichend Reifezeit, um Reife und Spannung im Gleichgewicht zu halten.
Im Keller verbindet er traditionelle und zeitgemäße Verfahren mit dem klaren Ziel, schonend zu keltern und Rebsortentypizität zu erhalten. Die Weine entstehen in bewusst kleinen Mengen — Überzeugung, kein Engpass. Das goldene Ginkgoblatt im Wappen des Weinguts verweist dabei auf ein regionales Erbe: Goethe, der das Gleistal kannte und schätzte, gilt dem Weingut als stille Referenz an die Wein- und Naturgeschichte der Region.
Auxerrois, Cabernet Jura und die „Neuen Meister" — ein Sortiment mit Haltung
Der Schwerpunkt liegt klar auf Weißwein. Wolfram Proppe ist überzeugt, dass das Klima rund um Jena das Potenzial für eigenständige, präzise Weißweine hat. Im Sortiment stehen Auxerrois — im Gleistal historisch verwurzelt, fruchtweich mit milder Säure — neben Chardonnay, Weißburgunder, Riesling, Bacchus und Kerner. Die Weine zeigen Rebsortentypizität, mineralischen Charakter und die Prägung der Muschelkalkböden. Daneben gibt es rote Weine: Mit Cabernet Jura, einer pilzwiderstandsfähigen Rotweinsorte mit Profil ähnlich einem Cabernet Sauvignon, ist Proppe im Saale-Unstrut-Gebiet nach eigener Einschätzung Vorreiter. Cabernet Jura und Cabernet Blanc — eine aromatische Sorte mit Nähe zu Sauvignon Blanc — werden gemeinsam unter der Linie „Neuer Meister" vermarktet. Das Engagement für seltene und historische Rebsorten ist dabei kein Selbstzweck: Es ist der rote Faden, der Herkunft, Handwerk und Stil dieses Weinguts zusammenhält.