Eine Seicento-Villa als Herzstück eines modernen Weinguts
Die Villa di Corlo, ein Landsitz aus dem späten 17. Jahrhundert in Baggiovara, rund zehn Kilometer südwestlich von Modena, steht seit mehr als einem Jahrhundert im Besitz derselben Familie. Das Anwesen umfasst etwa 100 Hektar, von denen ein Teil als Rebfläche bewirtschaftet wird. Den Weinbau führte Antonia Munari 1996 mit der Übernahme einiger Grasparossa-Weinberge zu neuem Leben — die erste eigene Vinifikation folgte 1998, und seither ist der Lambrusco Grasparossa di Castelvetro DOC das Herzstück des Betriebs geblieben.
Im Dachstuhl der alten Villa findet sich zudem eine Essigmanufaktur, in der nach traditioneller Methode Aceto Balsamico Tradizionale di Modena DOP reift — ein zweites Handwerk, das die enge Verwurzelung des Guts in der Genusskultur der Emilia-Romagna zeigt.
Saubere Energie, handwerkliche Präzision im Keller
Schon beim Aufbau der Kellerei legte das Gut den Fokus auf manuelle Lese und Kaltvinifikation: eine kurze Vorgärung bei niedrigen Temperaturen erhält Aromen und Frische des Grasparossa, die Perlage entsteht anschließend im Charmat-Verfahren im Drucktank (Metodo Charmat lungo). Das gibt den Weinen Lebendigkeit und Struktur, ohne die fruchtigen Primäraromen zu überlagern. Für die Einzellage Corleto — Weinberge in San Venanzio bei Maranello auf kalkhaltig-lehmigen Böden der Hügelzone — arbeitet die Kellerei mit verlängerter Maischestandzeit und strenger Ertragsreduzierung.
2012 stellte Villa di Corlo die gesamte Betriebsenergie auf Photovoltaik um. Die Anlage reduziert den CO₂-Ausstoß um rund 105 Tonnen pro Jahr — ein konkreter Schritt, der die Nachhaltigkeitsansprüche des Guts mit messbaren Ergebnissen unterlegt, nicht nur mit Versprechen.
Grasparossa in seiner strukturiertesten Form — trocken wie amabile
Lambrusco Grasparossa di Castelvetro gilt als die körperreichste und tanninbetonteste Spielart der Lambrusco-Familie. Villa di Corlo setzt ausschließlich auf 100 % Grasparossa und arbeitet die sortentypischen Eigenschaften — intensive Rubinfarbe, Aromen von Kirsche, Blaubeere und Veilchen, belebendes Tannin — konsequent heraus. Im Sortiment finden sich sowohl ein trockener Secco als auch eine halbsüße Amabile-Variante: Letztere trägt der modenischen Esstradition Rechnung, bei der ein Hauch Restsüße als Gegengewicht zu würzigen Salumi, Tagliatelle al ragù oder Zampone dient.
Mit dem Corleto zeigt das Gut, wohin Grasparossa ohne Kompromisse führt: ein Einzellagen-Lambrusco mit dichter Frucht, ausgeprägter Säurestruktur und langem Abgang, der international Aufmerksamkeit gewann. Das breitere Sortiment umfasst außerdem organisch zertifizierte Abfüllungen (Olimpia), einen Lambrusco di Sorbara sowie Schaumweine nach Metodo Classico — allesamt im Zeichen des Terroirs zwischen Modena und den Hügeln Richtung Maranello.