Aus einem Gedanken heraus: Wie 1964 ein Kollektiv den Roussillon neu definierte
Im frühen 1960er Jahren teilten eine Handvoll Winzer im Département Pyrénées-Orientales eine Überzeugung, die sich in wenigen Worten zusammenfassen lässt: Das Kollektiv ist stärker als der Stärkste im Kollektiv. Aus dieser Haltung heraus gründeten sie 1964 die Vignerons Catalans in Perpignan — eine Genossenschaft mit dem erklärten Ziel, die Weine des Roussillon in Frankreich und in der Welt bekannt zu machen. Was bescheiden begann, wuchs über Jahrzehnte zu einer der bedeutendsten Kooperativstrukturen Südfrankreichs: Heute bündeln sechs Winzergenossenschaften aus den Pyrénées-Orientales — darunter die Vignerons de Baixas, Côtes d'Agly, Laure de Nyls, Trémoine, Terres Plurielles und Terrassous — ihre Arbeit unter diesem Dach. Zusammen vertreten sie rund 2.500 Winzer und mehr als 10.000 Hektar Rebfläche, deren Ernte weltweit exportiert wird: nach Europa, in die USA, nach Japan und China. Seit Herbst 2022 firmiert das Unternehmen unter dem Namen VICA, Vignes Coopératives — ein Schritt, der die gewachsene Identität neu bekleidet, ohne die Geschichte von 60 Jahren zu löschen.
Terroir als gemeinsame Sprache: Böden, Lagen und kollektives Handwerk
Der Roussillon ist ein Naturtheater: Im Rücken die letzten Ausläufer der Pyrenäen, vor der Nase das Mittelmeer. Die Rebflächen der Vignerons Catalans erstrecken sich von der spanischen Grenze bis zur Étang de Leucate nördlich von Perpignan — ein Bogen aus schroffen Hügeln, steinigen Plateaus und alten Terrassen. Die geologische Vielfalt ist außergewöhnlich: Schiefer und schwarzer Schiefer, Granit auf dem Hochplateau von Lesquerde auf 350 Metern Höhe, Ton-Kalk-Böden im Tautavel-Tal. Salz- und Mineralik-Noten fließen aus diesem Mosaik in die Weine, immer wieder gebrochen durch maritime Einflüsse und die Kühle der Bergluft. Die Rebsorten folgen der katalanischen Tradition: Grenache Noir, Grenache Gris und Grenache Blanc als Leitrebsorten, ergänzt durch Carignan, Syrah, Mourvèdre sowie Muscat à Petits Grains und Muscat d'Alexandrie. Im Keller setzt die Genossenschaft auf eine kollektive Qualitätsdisziplin — von der Weinbergspflege bis zur Abfüllung. Zusätzlich fördert die Genossenschaft den ökologischen Weinbau aktiv: Biologisch erzeugte Weine ohne zugesetzte Sulfite sind ein eigenes Segment im Sortiment geworden.
Crus, Ikonen, Stilistik: Was die Weine der Vignerons Catalans kennzeichnet
Das Sortiment gliedert sich nach Terroir und Ambitionsniveau. Die Terroir-Linie bildet das Rückgrat: Weine aus den namentlich geschützten Lagen Tautavel, Latour de France, Lesquerde und Caramany unter der AOP Côtes du Roussillon Villages — jede ein eigenständiges Geschmacksprofil, das Bodenbeschaffenheit und Mikroklima direkt abbildet. Grenache, Syrah und Carignan, gewachsen auf Schiefer- und Ton-Kalk-Böden, ergeben Rotweine mit dunkler Frucht, feinen Tanninen und langem Abgang, der von der Mineralität des Untergrunds geprägt wird. Darüber steht die Ikonen-Linie mit Cuvées wie Kar Magna oder Élévation Vieilles Vignes — Weine, die auf alte Reben und sorgfältige Selektion setzen. Mit dem Château Montner, dem Signature Tautavel und dem Signature Latour de France zeigt die Genossenschaft, dass kooperatives Arbeiten und Appellations-Tiefe kein Widerspruch sind. Der Rosé La Mer und der Corbières Le Belvédère d'Alaric erweitern das Spektrum nach Norden und in die leichteren Stilistiken. Alle Weine eint ein Anspruch, der seit 1964 gilt: den Charakter eines außergewöhnlichen Territoriums in die Flasche zu bringen — ohne Umwege.