Von Trento nach Terricciola: die Lunelli-Familie in der Toskana
Die Familie Lunelli ist seit Generationen mit dem Trentino verwurzelt — ihr Name steht weltweit für die Schaumweine der Cantina Ferrari. Doch im Jahr 2000 wagte sie den Schritt nach Süden: Sie erwarb einen bewachsenen Hügel im Gemeindegebiet von Terricciola, unweit der toskanischen Küste, und legte damit den Grundstein für die Tenuta Podernovo. Der Ort hat eine weit ältere Weingeschichte, als es die junge Tenuta vermuten lässt — vom Etruskerzeit bis heute war Wein die kulturelle Konstante dieser Hügel um Pisa. Die fossilen Archive gehen noch weiter zurück: Der Untergrund, der vor rund drei Millionen Jahren vom Meer bedeckt war, hinterließ Schichten aus Sand, Ton und Muschelkalk, die bis heute an der Bodenoberfläche sichtbar sind und den Weinen ihre markante Mineralität verleihen.
Bio-Zertifizierung, Luca D'Attoma und der Respekt vor dem Hügel
Die Tenuta Podernovo wird nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Was mit einer freiwilligen Umstellung ab 2008 begann, ist seit 2012 offiziell Bio-zertifiziert. Für die kellertechnische Ausrichtung holte sich die Familie den renommierten toskanischen Önologen Luca D'Attoma ins Boot, der das Weingut auf Rotweinqualität in biologischer Landwirtschaft ausgerichtet hat. Im Weinberg setzt man auf Klonmassenauswahl der besten Sangiovese-Stöcke sowie auf sorgsam ausgewählte Cabernet Franc- und Merlot-Pflanzungen, die dem Boden und Mikroklima angepasst wurden. Das Kellergebäude selbst ist mit lokalem Naturstein aus der unmittelbaren Umgebung errichtet und fügt sich farblich wie material-seitig in das Landschaftsbild ein — ein Bekenntnis zur Morphologie des Ortes, das sich auch im Weinberg widerspiegelt.
Ebenso Teil der Tenuta ist ein historischer Gutskomplex aus dem späten 18. Jahrhundert im typischen toskanischen Stil, sorgfältig restauriert und heute als Unterkunft genutzt.
Sangiovese als Herzstück, Cabernet Franc als Ausrufezeichen
Das Sortiment der Tenuta Podernovo dreht sich um vier Weine, die alle die charakteristische Handschrift des Hauses tragen: feines Tanningewebe, ausgewogene Struktur, langer Abgang. Der Teuto ist die reinste Sangiovese-Aussage der Tenuta — er reift 20 Monate im großen Holzfass und zeigt in der Nase dunkle Früchte, Brombeere und Kaffeebohne, mit balsamischen Noten, die sich mit zunehmender Belüftung im Glas entfalten. Der Aliotto kombiniert 60 % Sangiovese mit Cabernet und Merlot, 12 Monate Barrique-Reife, rubinrote Farbe und ein Bouquet aus Weichselkirsche, eingelegten Früchten und aromatischen Kräutern. Die Solenida — ihr Name ist eine direkte Hommage an die fossilen Solenida-Muscheln im Tenuta-Boden — ist ein sortenreiner Sangiovese, der zum Teil in Amphoren ausgebaut wird und sich mit Amarenakirsche, Pflaume und kräutriger Tiefe zeigt. Den Abschluss macht der Auritea, ein reinsortiger Cabernet Franc unter der Denominazione Costa Toscana IGT, der konsequent das internationale Potenzial dieser Lage auslotet. Alle vier Weine tragen das Bio-Siegel und entstammen dem 24 Hektar umfassenden Eigenbesitz in den Hügeln um Pisa.