Ein Herrensitz von 1688 – und eine Familie, die ihn neu zum Leben erweckte
Wer von Bordeaux aus zehn Minuten in Richtung Yvrac fährt, landet in einer anderen Zeitzone. Hinter einem langen Schotterweg öffnet sich das Château du Lort – ein Anwesen, das 1688 als Maison Noble errichtet wurde und damals die benachbarten Güter Talet und Lamothe kontrollierte. Die Société d'Agriculture de Gironde zeichnete es seinerzeit für die Qualität seiner Böden aus. Dieses historische Gewicht hat das Gut nie abgeschüttelt.
Es war 1984, als die Familie Castel die Domaine übernahm – tief verbunden mit dem Erbe dieses Ortes, wie mehrere zeitgenössische Quellen festhalten. Was folgte, war kein oberflächliches Facelift, sondern ein grundlegender Umbau: Das Château wurde modernisiert, der Keller vollständig neu konzipiert, das Rebwerk strukturiert. Heute gehört du Lort zu den rund zwanzig Weingütern, die die Castel-Familie in Frankreich bewirtschaftet – von Bordeaux bis in die Provence, die Loire und das Languedoc.
Terra Vitis, Rebholzwärme und ein runder Keller mit System
Von den 45 Hektar des Gesamtanwesens sind 22 Hektar mit Reben bestockt – ringsum von Wäldern umgeben, die dem Gut ein natürliches Refugium geben und die Biodiversität fördern. Der Boden ist tonhaltig, die Lage in der Appellation Bordeaux Supérieur. Die Reben wachsen nach den Richtlinien von Terra Vitis – einem auf Nachhaltigkeit und Ressourcenschonung ausgerichteten Zertifizierungssystem, das die Castel-Güter seit 2012 tragen.
Dass Nachhaltigkeit hier kein Schlagwort ist, zeigt ein konkretes Detail: Das Anwesen heizt sich durch die Verbrennung der eigenen Rebschnitte – eine geschlossene Kreislauflogik, die Energie aus dem erzeugt, was der Weinberg ohnehin liefert. Der Keller selbst ist ein Spiegel dieser Konsequenz. Der runde Fasskeller wurde vollständig saniert und greift in seiner Architektur die geschwungene Form des historischen Innenhofs auf. Sechs thermoregulierte Edelstahlbehälter auf zwei Ebenen sorgen für präzise Temperaturkontrolle während der Vinifikation.
Bordeaux Supérieur aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Petit Verdot
Die Cuvée des Château du Lort baut auf einem leicht ungewöhnlichen Dreiklang: Merlot liefert Frucht und Fülle, Cabernet Sauvignon das strukturelle Rückgrat. Den dritten Part übernimmt Petit Verdot – seit 2014 neu angepflanzt –, der Farbe, Würze und Tiefe einbringt. In der Nase zeigen die Weine dunkle Beerenfrüchte, Vanille und sanft geröstete Holznoten; am Gaumen eine seidige, dichte Tanninstruktur mit langem Abgang. Der Ausbau im Holzfass ist spürbar, aber dezent eingebunden.
Unter dem Label Château Malbec – benannt nach einer Bordelaiser Anwaltsfamilie, nicht nach der Rebsorte – erscheint ein weiterer Wein aus dem Hause du Lort: ein Bordeaux rouge mit tonig-kiesigem Untergrund, der auf Konzentration und Struktur setzt. Beide Weine passen zu kräftigen Fleischgerichten, Wildgeflügel oder gereiften Hartkäsesorten. Serviertemperatur: 16–18 °C.