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Über Remstal-Kellerei
Aus der Not der Wengerter geboren: die Remstalkellerei seit 1940
Der Startschuss fiel 1940 in Schnait: Nach einem verheerenden Frost, der die Trauben des Jahrgangs 1939 zerstört hatte und die Gastronomen aus der Vermarktung trieb, schlossen sich 21 Weingärtnergenossenschaften zur Remstalkellerei zusammen. Die Idee war schlicht und pragmatisch — die Trauben künftig selbst zu keltern und gemeinsam zu vermarkten. Dass aus dieser Notgemeinschaft eine der größten Genossenschaftskellereien Deutschlands werden würde, war damals nicht absehbar. Heute hat die Remstalkellerei ihren Sitz in Weinstadt-Beutelsbach, mitten im Herzen des gleichnamigen Tals östlich von Stuttgart — einer Stadt, die 1975 aus den traditionsreichen Weinorten Beutelsbach, Endersbach, Großheppach, Schnait und Strümpfelbach zusammenwuchs und deren Geschichte mit dem Weinbau untrennbar verknüpft ist.
Genossenschaft als Handwerk: Weinberg, Keller und das Prinzip der vielen Schultern
Rund 610 Hektar Rebfläche bewirtschaften die Winzer der neun örtlichen Genossenschaften, die zur Remstalkellerei gehören — mehr als 75 Prozent der gesamten Anbaufläche des Remstals. Was ein einzelner Wengerter alleine stemmen müsste, verteilt die Genossenschaft auf viele Schultern: Weinbauberatung, Kelterung, Ausbau, Vermarktung. Die Lagen konzentrieren sich auf den Weinbaubereich Remstal-Stuttgart, wo schwere Keuper-Verwitterungsböden, bunter Mergel und Schilfsandstein das Terroir prägen. Aufgrund der etwas höheren Lage werden die Trauben später gelesen als anderswo in der Region — mehr Zeit am Stock bedeutet mehr Fruchtaromen und Struktur im fertigen Wein.
Im Keller verbinden sich Tradition und Moderne. Herzstück ist der größte Holzfasskeller Württembergs, in dem ausgewählte Weine reifen und Tiefe entwickeln. Daneben arbeitet die Kellerei mit zeitgemäßer Technik, die schonende Verarbeitung und den Erhalt sortentypischer Aromen sicherstellt. Das Zusammenspiel aus handwerklichem Erfahrungswissen und aktueller Kellertechnik ist das erklärte Selbstverständnis der Genossenschaft.
Zwischen Trollinger und Muskattrollinger: das Sortiment des Remstals in seiner ganzen Breite
Rund 70 Prozent der Jahresproduktion von sechs bis sieben Millionen Litern entfallen auf Rotwein — das spiegelt den Charakter Württembergs als ausgesprochene Rotweinregion. Trollinger und Lemberger gehören zu den Klassikern des Hauses; der Lemberger bringt auf den Keuper-Mergel-Böden Struktur und würzige Tiefe. Beim Weißwein liefern das kühle Remstalklima und die mineralischen Böden die Grundlage für Rieslinge mit lebendiger Säurestruktur sowie für Grauburgunder und Chardonnay mit Finesse. Dazu gesellen sich aromatische Sorten wie Gewürztraminer und Muskateller mit klarem Fruchtprofil.
Eine echte Spezialität ist der Muskattrollinger: eine Mutation des klassischen Trollingers, die von der Remstalkellerei entdeckt und zur Sorte weiterentwickelt wurde — fruchtig, leicht, mit charakteristischer Muskatnote. Wer einen sortenreinen Blanc de Noir sucht, findet ihn hier ebenfalls im Programm. Das Sortiment reicht damit von genossenschaftlichen Alltagsweinen bis hin zu Weinen, die in der Fachwelt Aufmerksamkeit erregt haben — darunter Auszeichnungen beim Internationalen Weinpreis Mundus Vini und Landesprämierungen des württembergischen Weinbauverbands.
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