Vom Champagner-Lehrling zum Gründer der deutschen Sektkultur
Am 1. Juli 1826 gründete Georg Christian von Kessler in Esslingen am Neckar die erste Sektkellerei Deutschlands — ein Datum, das nicht nur Firmengeschichte, sondern deutsche Schaumweingeschichte markiert. Kessler hatte sein Handwerk von Grund auf gelernt: Ab 1807 war er beim Champagnerhaus Veuve Clicquot in Reims tätig, stieg dort zum Prokuristen und Mitglied der Geschäftsführung auf und trug maßgeblich zum Ausbau des internationalen Geschäfts bei. Als ihm die erhoffte Übernahme des Hauses verwehrt blieb, kehrte er in seine württembergische Heimat zurück — und brachte die méthode traditionnelle im Gepäck mit.
Den Betrieb eröffnete er in der ehemaligen Kelter des Kaisheimer Pfleghofes. Aus lokalen Frühburgunder-Reben entstanden die ersten 4.000 Flaschen, die unter dem schlichten Namen „schäumender Württemberger Wein" in den Handel kamen. Bereits 1829 exportierte Kessler nach Russland, Großbritannien und in die USA; 1881 wurde das Haus königlich württembergischer Hoflieferant. Auf der Pariser Weltausstellung 1867 erhielt Kessler eine Silbermedaille in der Kategorie „Vins mousseux". Nach dem Tod des Gründers 1842 führte die Familie Weiss das Haus über sechs Generationen weiter — durch Reblauskrise, Weltkriege und wechselhafte Marktlagen. 2005 übernahm Christopher Baur gemeinsam mit Investoren das Unternehmen und richtete es konsequent neu aus: zurück zu Qualität, Herkunft und handwerklicher Tiefe.
Mittelalterliche Keller, klassisches Handwerk, kein Kompromiss
Firmensitz und Produktionsstätte ist bis heute der historische Speyrer Pfleghof in der Esslinger Altstadt — ein Gebäude, das laut Überlieferung um 1213 errichtet wurde. In seinen Gewölbekellern reifen die Sekte nach der méthode traditionnelle: Flaschengärung, anschließendes Rütteln auf Holzpupitres von Hand, langes Hefelager. Je nach Cuvée dauert dieser Prozess zwischen 30 und über 60 Monate. Das ist kein Marketingversprechen, sondern die unverzichtbare Grundlage für die Aromenentwicklung, die Kessler-Sekte auszeichnet: feines Brioche, reife Frucht, Tiefe ohne Schwere.
Die Grundweine für das Sortiment stammen aus bewusst ausgewählten Lagen — darunter Chardonnay und Spätburgunder aus den klimatisch bevorzugten Höhenlagen des Trentino, Riesling aus dem Monrepos-Weingut des Herzogs von Württemberg. Die Partnerschaft mit der Genossenschaftskellerei Cavit im Trentino, die 2014 besiegelt wurde, ermöglicht direkten Dialog mit den Winzern und mehr Einfluss auf die Grundweinqualität. Gelesen wird ausschließlich von Hand.
Brut als Haltung — das Sortiment von Kessler
Kessler baut seine Sekte seit jeher trocken aus. Brut und Extra Brut sind hier keine Modeworte, sondern ein konsequentes Stilprinzip, das sich durch das gesamte Sortiment zieht. Zentrales Einstiegsprodukt ist der Kessler Brut: eine Cuvée mit feiner Perlage, lebendiger Säurestruktur und dem charakteristischen langen Abgang, den erst das ausgedehnte Hefelager ermöglicht. Mit den Hochgewächs-Linien — Chardonnay Brut und Rosé Brut — setzt das Haus auf sortenreine Profile mit klarer Herkunftsprägung. Der Jägergrün Riesling Brut zeigt, was württembergischer Riesling als Schaumwein leisten kann: fruchtige Präzision, mineralische Spannung, trockener Nachhall.
Wer die Spitze des Sortiments sucht, landet bei den Vintage-Cuvées — allen voran dem Grande Réserve „Georges", der nach 60 Monaten Hefelager degorgiert wird und an den Gründer erinnert, der das alles einmal angestoßen hat. Aperitif, Tisch oder Feier: Kessler macht keine Kompromisse beim Stil — du entscheidest nur den Anlass.