Possessió Binicomprat: Fünf Jahrhunderte Familie auf einem der ältesten Güter Mallorcas
Die Wurzeln von Oliver Moragues reichen bis ins Jahr 1229 zurück, als die Possessió Binicomprat erstmals im Llibre del Repartiment verzeichnet wurde — dem Kataster, den König Jaume I. nach der Conquista Mallorcas anlegen ließ. Seit 1511 ist das Gut ununterbrochen im Besitz der Familie Oliver Moragues, heute bereits in mehr als fünfzehn Generationen. Was das bedeutet, wird auf dem Anwesen bei Algaida greifbar: ein Natursteinhaus aus dem 15. Jahrhundert, ein historischer Keller, eine Hauskapelle mit Gewölbe aus dem 18. Jahrhundert — und Rebstöcke, die Sorten tragen, die anderswo auf Mallorca längst verschwunden sind.
Das Gut liegt auf dem Pla de Mallorca, der zentralen Hochebene der Insel, auf 265 Metern über dem Meer am Fuß des Berges Randa. Auf der Südseite schließt ein 50 Hektar großer Wald aus Kiefern und Steineichen an, der das Mikroklima reguliert und als Reservoir für Biodiversität dient. Auf der Nordseite fallen die Weinberge sanft ab — gut exponiert, durchlüftet, mit Blick bis zur Serra de Tramuntana.
Biodynamisch vor Ort: Wald, Esel und die Rückbesinnung auf 1998
Den Wendepunkt setzte die Familie im Jahr 1998: Statt auf internationale Rebsorten und moderne Erziehungsformen zu setzen, begann sie, die alten mallorquinischen Sorten zurückzuholen und auf den traditionellen Gobelet-Erziehungsstil umzustellen — jenen buschförmigen, niedrig gehaltenen Rebschnitt, den die Insel seit Jahrhunderten kennt. Seit 2004 ist der gesamte Betrieb bio-zertifiziert. Synthetische Pestizide und Herbizide kommen nicht zum Einsatz; stattdessen setzt das Weingut auf Prävention, intensive Handarbeit und ein ausgewogenes Bodenökosystem.
Biodynamische Prinzipien sind dabei kein Marketing-Begriff, sondern Alltag: Brennnesseln aus dem eigenen Wald werden zu Pflanzenjauche vergoren, der Kompost stammt von den Eseln des Guts. Die sommerliche Embat-Brise, die von Mai bis Oktober täglich über die Hochebene zieht, sorgt für warme Tage und kühle Nächte — das natürliche Temperaturspektrum, das Säure und Aromenintensität in den Trauben erhält. Geerntet wird ausschließlich per Hand, in kleinen 10-Kilo-Kisten, direkt in den Keller auf dem Gut. Für 2026 plant das Weingut die Umstellung von 2,3 weiteren Hektar von internationalen auf einheimische Sorten — die konsequente Fortsetzung eines Weges, der 1998 begann.
Mallorquinische Rebsorten, salzige Mineralik und das Ziel des bleibenden Weins
Das Sortiment von Oliver Moragues ist ein Archiv der Insel: Prensal Blanc und Giró Ros für die Weißweine, Manto Negro, Callet, Gorgollassa und Escursach für die Roten. Letztere sind so selten, dass sie außerhalb Mallorcas kaum bekannt sind. Der OM Giró Ros etwa entsteht aus einer weißen Rebsorte, die die Reblaus-Krise des 19. Jahrhunderts nur knapp überlebt hat. Der Weinbaustil zielt auf Fruchtintensität bei moderaten Alkoholen, feine Tannine und eine salzige Kante, die aus den meeresgeprägten Böden des Guts kommt. Der Decanter vergab im Jahr 2024 95 Punkte für den OM Gorgollassa und im Jahr 2025 92 Punkte für den OM Prensal Blanc — jeweils aus einer Blindverkostung. Das Spektrum reicht vom zugänglichen OM Rosé bis zum OM 500, der das halbe Jahrtausend Familiengeschichte im Namen trägt.