Von Tours-sur-Marne in die Welt: 200 Jahre Familiengeschichte
Das Maison Laurent-Perrier wurde 1812 von André-Michel Pierlot in Tours-sur-Marne gegründet – einem Grand-Cru-Dorf im Herzen der Champagne, das an der Kreuzung der drei wichtigsten Anbaugebiete der Region liegt. Nach Pierlots Sohn Alphonse übernahm dessen Kellermeister Eugène Laurent den Betrieb. Als Eugène Laurent 1887 früh verstarb, führte seine Witwe Mathilde-Emilie Perrier das Haus weiter und gab ihm den bis heute gültigen Doppelnamen: Veuve Laurent-Perrier.
Der entscheidende Wendepunkt kam 1939, als Marie-Louise de Nonancourt das Haus erwarb. Ihr Sohn Bernard de Nonancourt übernahm 1948 die Geschäftsführung – mit gerade einmal 28 Jahren, nach einer harten Lehrzeit in den Weinbergen. Zu diesem Zeitpunkt beschäftigte das Haus rund zwanzig Mitarbeiter und verkaufte 80.000 Flaschen. Unter seiner Führung wuchs Laurent-Perrier zum drittgrößten Champagnerhaus und zum größten familiengeführten Unternehmen der gesamten Champagne. Heute leiten Bernards Töchter Alexandra Pereyre und Stéphanie Meneux de Nonancourt das Erbe fort – Laurent-Perrier bleibt damit eines der wenigen wirklich unabhängigen Großhäuser der Champagne.
Handwerk mit Haltung: Weinberg, Keller und Nachhaltigkeit
Bernard de Nonancourts Leitgedanke lautete: „Qualität der Weine, Qualität der Menschen." Diese Philosophie prägt das Haus bis heute. Laurent-Perrier stellt ausschließlich Champagner her – kein Nebensortiment, keine Diversifikation. Die Trauben stammen aus sorgfältig selektierten Lagen der Côte des Blancs und der Montagne de Reims; Chardonnay bildet die aromatische Basis der meisten Cuvées. Keiner der Grundweine reift in Holzfässern, was die Frische und Präzision des Hauses stilistisch sichert.
Seit 1998 trägt Laurent-Perrier den Royal Warrant des britischen Königshauses – als erstes Champagnerhaus überhaupt, und auf Grundlage seiner nachhaltigen Anbau- und Produktionspraktiken. Kontinuität im Keller ist dabei kein Zufall: Seit 1948 hat das Haus lediglich drei Chefs de Cave gehabt, was für eine außergewöhnliche Stilkonstanz steht.
La Cuvée, Rosé und Grand Siècle: ein Sortiment mit klarer Handschrift
Frische, Eleganz und Reinheit – diese drei Begriffe durchziehen das gesamte Sortiment. Die La Cuvée Brut, im Kern auf Chardonnay aufgebaut, ist der präzise, zitrusfrische Einstieg ins Haus. Der Cuvée Rosé Brut ist eine der kühnsten Innovationen der Champagne: Seit 1968 wird er ausschließlich aus 100 % Pinot Noir von zehn Grand-Cru-Lagen der Montagne de Reims – darunter Bouzy und Ambonnay – vinifiziert, mit einer Mazerationstechnik von 48 bis 72 Stunden. Anders als die meisten Häuser, die Roséchampagner durch Cuvée mit Rotwein erzeugen, extrahiert Laurent-Perrier dabei Farbe und Aromen direkt aus den Beerenschalen – das ergibt lebhaften Roten-Frucht-Charakter, seidene Textur und eine präzise Säurestruktur. Das Flaggschiff Grand Siècle schließlich ist nie ein Jahrgangs-, sondern stets ein Blend aus drei komplementären Erntejahren der zwölf besten Grand-Cru-Lagen – ein Konzept, das Laurent-Perrier als Haus der Assemblage par excellence ausweist. Mit dem Brut Millésimé setzt das Haus dagegen auf außergewöhnliche Einzeljahrgänge, wenn Terroir und Witterung es erlauben.