Von 1254 bis heute: eine Lage mit langer Geschichte
Der Marktflecken Siegendorf im Burgenland, rund 60 Kilometer südlich von Wien und nur wenige Kilometer von der ungarischen Grenze entfernt, wurde 1254 erstmals urkundlich erwähnt — und Weinbau wird hier nachweislich schon weit länger betrieben. Seit 1988 bewirtschaftet die Weinkellerei Lenz Moser dieses besondere Gut. Lenz Moser ist selbst eine österreichische Weinbaugeschichte für sich: Prof. Lenz Moser III. (1905–1987) gilt als einer der bedeutendsten Innovatoren des mitteleuropäischen Weinbaus und entwickelte ab 1928 das nach ihm benannte System der Hochkultur-Erziehung, das heute den Klosterkeller prägt.
Eine Einzellage, zwei Rieden, ein klares Credo
Was den Klosterkeller Siegendorf von Beginn an auszeichnet, ist die Geschlossenheit seiner Anbaufläche: 24 zusammenhängende Hektar — rund 2000 Meter lang und stellenweise nur 70 bis 150 Meter breit — bilden eine der flächenmäßig größten Einzellagen Österreichs. Der Weingarten teilt sich in die beiden Rieden Dora Dülö und Urasagi Puszta, ist leicht nach Süd-Südwest geneigt und nach dem System der Lenz-Moser-Hochkultur mit mehr als 600 vertikalen Reihen bepflanzt. Das pannonische Klima, die Nähe des Neusiedler Sees und die warmen, sandig-humosen Böden schaffen ideale Bedingungen für körperreiche Rotweine.
Bewirtschaftet wird die Lage seit Jahrzehnten nach dem Grundsatz Güte vor Menge: organische Düngung, lebendiger Boden, konsequenter Verzicht auf Massenertrag. Gelesen wird ausschließlich per Hand, und zwar erst dann, wenn die Trauben physiologisch vollreif sind.
Bordeaux-Rebsorten, burgenländischer Charakter: die Weine des Klosterkellers
Bis 1990 wurde die Einzellage vollständig mit Cabernet Sauvignon (11 ha), Cabernet Franc (3 ha) und Merlot (7 ha) ausgepflanzt — mit Weißburgunder (3 ha) als einziger weißer Rebsorte. Mit rund 87 Prozent Rotweinreben gehört das Gut damit zu den rotweinaffinsten Betrieben Österreichs. Die Reben haben mittlerweile das Alter erreicht, in dem sie konzentrierte, strukturreiche Trauben liefern.
Das Flaggschiff ist die Cuvée O'Dora — der Name ist Programm: O' steht für Opus, also „das Werk", Dora verweist auf die Herkunftsriede. Die Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Cabernet Franc durchläuft nach der temperierten Maischvergärung einen biologischen Säureabbau im Barrique; anschließend reift sie rund 16 Monate in neuem Allier-Eichenholz. Das Ergebnis: dunkle Beerenfrucht und zarte Cassis-Noten in der Nase, Tabak- und Röstanklänge, ein voller Körper mit fest integrierten Tanninen und langem Abgang. Wer burgenländischen Rotwein mit klassischer Bordeaux-DNA sucht, findet hier eine der konsequentesten Adressen des Landes.