Von der Fattoria Nicò zur Referenzadresse der Colline Teramane
1890 gründete Nicola Illuminati auf den Hügeln an der Grenze zwischen Abruzzen und Marken die Fattoria Nicò — ohne technologische Ambitionen, aber mit dem klaren Handwerksanspruch, ehrlichen Wein zu keltern. Was als bäuerlicher Familienbetrieb begann, formte sich in den folgenden Generationen zu einem der prägenden Weingüter Mittelitaliens. Den entscheidenden Schritt machte Dino Illuminati: Ab den 1950er-Jahren verstand er es, die weinbaulich fast vergessene Zone von Controguerra und die Colline Teramane wieder ins Bewusstsein zu rücken — als Winzer, Lobbyist und Visionär zugleich. Er trieb die Gründung des Konsortiums voran, erkämpfte die DOC-Anerkennung für Controguerra (1996) und setzte durch, dass die Colline Teramane heute das einzige DOCG in ganz Abruzzen trägt.
Heute liegt die Verantwortung bei Stefano Illuminati, Dinos Sohn, der das Weingut gemeinsam mit seinem Bruder Lorenzo und bereits der nächsten Familiengeneration führt — Stefanos Sohn trägt wieder den Namen Nicola, als wäre der Kreis damit bewusst geschlossen. In rund 130 Jahren wuchsen die Rebflächen von 15 auf 130 Hektar, alle im Familienbesitz, alle selbst bewirtschaftet, alle innerhalb der Denominazioni Controguerra DOC und Colline Teramane Montepulciano d'Abruzzo DOCG.
Ton aus dem Boden: Weinberg und Keller in Controguerra
Vom Weingut auf der Anhöhe von Controguerra aus lassen sich an klaren Tagen die Adriaküste und die schneebedeckten Gipfel des Gran Sasso gleichzeitig sehen — und genau dieses Zusammenspiel prägt die Weine. 320 Meter Seehöhe, lehmige Böden, das Massiv im Norden als Windschutz vor kalten Luftmassen, die Meeresbrise als natürlicher Temperaturregulator: eine Kombination, die reife Frucht und frische Struktur in einem Glas ermöglicht. Der lehmreiche Boden speichert Feuchtigkeit in Trockenphasen und gibt sie kontrolliert an die Wurzeln ab — er ist die Hauptquelle der Dichte und Tiefe, die Illuminati-Weine im Abgang zeigen.
Im Weinberg arbeitet das Team mit Pergola-Erziehung und Grünernte zur Ertragskontrolle; der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln wird auf ein Minimum reduziert, organische Dünger und Begrünung zwischen den Zeilen fördern das Bodenleben. Im Keller folgt auf eine sorgfältige Mazeration die Reifung in großen Behältern aus slawonischer Eiche — bei Spitzenweinen wie dem Zanna mit 16 Tagen Schalenkontakt und anschließend ausgedehnter Fasslagerung. Der Riparosso durchläuft nach der Erstgärung einen Ripasso auf Amarone-Trester, der ihm zusätzliche Farbe, Struktur und Komplexität gibt.
Montepulciano im Mittelpunkt, Pecorino und Passerina als Charakterköpfe
Das Herz des Sortiments ist der Montepulciano d'Abruzzo in verschiedenen Ausführungen: vom zugänglichen Riparosso, der in internationalen Weinführern regelmäßig als Preis-Genuss-Referenz geführt wird, bis zum Zanna — einem Einzellagen-Reserva aus alten Pergola-Reben im historischen Kern des Gutes, der mit dunkler Beerenfrucht, Tabak und Lakritze auf dem Gaumen die volle Ausdruckskraft des Terroirs zeigt. Auf weißer Seite stehen Pecorino und Passerina: Die autochthone Pecorino-Rebe liefert mineralisch-frische Weine mit Zitruslinie und einer für die Sorte typischen Struktur; die Passerina bringt florale Leichtigkeit und salzigen Abgang — beide Sorten charakteristisch für die Colline Teramane und bei Illuminati klar von der Herkunft geprägt. Rund 60 Prozent der Produktion gehen in den Export, auf fünf Kontinente — das Weingut aus Controguerra ist längst keine regionale Angelegenheit mehr.