Ein valencianischer Traum in der Provinz Cádiz
Vicente Taberner Carsi stammt aus Valencia — sein Herz aber schlug früh für den tiefen Süden Spaniens. Um das Jahr 2000 fand er auf dem Gebiet von Arcos de la Frontera das, was er gesucht hatte: ein 91 Hektar großes Anwesen auf 150 Metern Höhe, umrahmt von sanften Hügeln, mit Blick auf die Sierra de Grazalema und das Stausee-Becken von Bornos. Auf diesem Grund, der bereits in römischer Zeit für den Weinbau genutzt wurde, gründete er Huerta de Albalá — mit dem Ziel, Rioja und Ribera del Duero zu zeigen, dass Andalusien mehr kann als Sherry. Die ersten Weine kamen mit dem Jahrgang 2005 auf den Markt und ernteten rasch internationale Aufmerksamkeit. Heute, 25 Jahre nach der Gründung, führt die Familie das Weingut als geschlossenes Projekt: Weinberg, Keller und Vermarktung in einer Hand, rund 50 Prozent der Jahresproduktion gehen in den Export.
Terroir vor Technik — wie Huerta de Albalá seine Weine denkt
Das Mikroklima zwischen Grazalema-Gebirge und dem Bornos-Stausee ist der entscheidende Standortvorteil: heiße Tage, kühle Nächte, atlantischer Einfluss — das verlangsamt die Reife und erhält die Säurestruktur der Trauben. Die 75 Hektar Weinberg umfassen 225.000 Reben, aufgeteilt in einzelne Parzellen mit teils stark unterschiedlichen Böden. Jede Parzelle wird separat bewirtschaftet, separat vinifiziert und separat ausgebaut, bevor über den endgültigen Verschnitt entschieden wird. Der handwerkliche Kern des Kellers: manuelle Umpumpvorgänge während der Gärung, kontrollierte Temperaturführung in den Tanks und Ausbau in über 450 Fässern aus französischer und amerikanischer Eiche — darunter Fässer ausgewählter Küfereien wie Sylvain, Mercier und François Frères. Neue Fässer werden zuerst für die Spitzenweine eingesetzt und danach in die einfacheren Linien weitergereicht. Der Enologe Santiago verantwortet heute den Keller; sein Ansatz verbindet agronomisches Fachwissen mit dem Respekt vor den gewachsenen Strukturen des Terroirs.
Tintilla de Rota, Syrah und das Sortiment zwischen Alltag und Prestige
Das Rebsortenbild spiegelt sowohl die Überzeugung als auch die Herausforderung des Standorts wider: 60 Prozent Syrah, 20 Prozent Merlot, 10 Prozent Cabernet Sauvignon — und 10 Prozent Tintilla de Rota, eine fast verschwundene Sorte aus der Provinz Cádiz, die Huerta de Albalá aktiv bewahrt und in seine Cuvées integriert. Dazu kommen 160 Hektar Chardonnay-Weinberge in der Balbaina-Zone bei Jerez, aus denen die Weißweinlinie gespeist wird. Das Sortiment gliedert sich klar: Der Barbazul — als Tinto, Rosado und Blanco — steht für zugänglichen, fruchtbetonten Charakter aus dem gesamten Rebsorten-Spektrum des Gutes. Der Taberner ist ein 100-prozentiger Syrah, 18 Monate in französischen Eichenfässern ausgebaut, kraftvoll und strukturiert. Taberner No. 1 schließlich markiert die Spitze: auf rund 10.000 Flaschen jährlich limitiert, entsteht er nur in Jahrgängen, in denen das Lesegut die Anforderungen erfüllt. Alle drei Linien stehen für denselben Ansatz — Weine, die zeigen, wo sie herkommen: aus dem atlantisch beeinflussten Hinterland von Cádiz, weit außerhalb der Sherry-Zone, und das ist genau ihr Trumpf.