Von der Familienburg zur Weltmarke: acht Generationen Olivenöl in Jaén
Die Geschichte von Castillo de Canena beginnt 1780, als der Grundbesitz der Familie Vañó — Felder und Olivenhaine rund um das Dorf Canena — im Kataster von Úbeda erstmals urkundlich erfasst wurde. Jaén, die Provinz im Nordosten Andalusiens, liefert heute rund ein Fünftel des weltweit produzierten Olivenöls; nirgendwo sonst wachsen so viele Olivenbäume auf so engem Raum. Namensgeberin der Marke ist die Familienburg auf dem Hügel über den Hainen: auf römischen Fundamenten errichtet, 1538 im Auftrag von Francisco de los Cobos — Staatssekretär Kaiser Karls V. — durch den Renaissance-Baumeister Andrés de Vandelvira zum Schlosspalast umgebaut und 1931 zum Nationaldenkmal erklärt. Ihre Silhouette ziert bis heute jedes Etikett.
2003 folgte der Bruch, der das Unternehmen erst zu dem machte, was es heute ist: Rosa und Francisco Vañó gaben ihre Führungspositionen bei Coca-Cola und Banco Santander auf, um das Familienunternehmen grundlegend neu auszurichten. Statt Öl anonym als Bulkware zu verkaufen, setzten sie auf sortenreine Premiumöle unter eigenem Namen. Heute leiten die drei Geschwister Francisco, Rosa und Cristina das Haus gemeinsam — die Almazara liegt in Puente del Obispo, der Sitz in Baeza.
Regenerative Landwirtschaft, Solarenergie und vollständige Kontrolle vom Baum zur Flasche
Castillo de Canena kontrolliert jeden Schritt der Produktion selbst: Anbau, Ernte, Pressung, Abfüllung. Die Olivenhaine liegen zwischen den Gebirgszügen von Cazorla, Segura und Mágina im Alto-Guadalquivir-Tal, ausschließlich Oliven aus eigenem Anbau werden in der eigenen Mühle verarbeitet. Die Bäume sind nach dem Standard der Integrierten Produktion (A.P.I.) zertifiziert, Pestizide und Herbizide werden vollständig ausgeschlossen; Bodenbedeckung und regenerative Anbaumethoden sollen die Bodengesundheit langfristig sichern. Tröpfchenbewässerung mit integrierter Düngung reduziert den Wasserverbrauch; Trockenstress-Kontrollpunkte überwachen die Wasserversorgung im Hain. Den gesamten Strombedarf des Betriebs deckt eine Photovoltaikanlage auf dem Gelände. Oliventrester wird entweder zu Biomasse-Kompost verarbeitet oder weitergegeben — kein Produktionsrückstand geht verloren. Der CO₂-Fußabdruck ist seit 2011, der Wasserfußabdruck seit 2013 zertifiziert auditiert; Castillo de Canena arbeitet dafür mit Universitäten, NGOs und Agrarinstituten zusammen.
Sortenreine Öle mit Charakter: Picual, Arbequina und Royal aus früher Ernte
Das Sortiment dreht sich um drei andalusische Sorten, jede kalt gepresst und als Monovarietale abgefüllt. Picual ist das Rückgrat: intensiv, grün, mit Noten von Tomate, frischer Artischocke und Mandel, markanter Struktur und pfeffrigem, langem Abgang — ein Öl für alle, die Olivenöl als Zutat verstehen, nicht nur als Fett. Arbequina wirkt feiner und zugänglicher: grüner Apfel, reife Banane, weiche Textur, ausgewogene Bitternote. Die seltene Sorte Royal rundet das klassische Trio ab. Daneben steht eine Linie aromatisierter Öle: das Aceite Arbequino al Humo de Roble, ein mit Eichenrauch veredeltes Arbequina-Öl, oder das Harissa-Öl — Küchenwerkzeuge für Köche, die Öl als Gewürz einsetzen. Alle Öle werden zum optimalen Reifezeitpunkt früh geerntet und schnellstmöglich gepresst, um den Polyphenolgehalt zu sichern. Trinktemperatur: 16–18 °C, vor dem Servieren leicht erwärmen.