Von der Pferdefarm zum Maipo-Vorzeigegut: die Geschichte von Haras de Pirque
Der Name verrät die Herkunft: Haras ist das französische Wort für Gestüt. Was 1892 als Vollblut-Zuchtfarm im chilenischen Pirque begann, trägt diese Vergangenheit bis heute sichtbar — im Namen, in den Etikettenzeichnungen und in der Architektur des Weinkellers, der in Hufeisenform über dem Maipo-Tal thront. Den Schritt zum Weinbau vollzog Eduardo Matte 1991; ein Jahr später wurden die ersten Reben gepflanzt. In den frühen 2000er-Jahren besuchte Marchese Piero Antinori — Ehrenpräsident von Marchesi Antinori, einer der ältesten Familienweingüter Italiens — das Anwesen und war sofort überzeugt vom Potenzial des Terroirs. Die Zusammenarbeit zwischen Familie Matte und Familie Antinori mündete in der gemeinsamen Produktion des Flaggschiff-Weins Albis, dessen erster Jahrgang 2001 gekeltert wurde. Die Partnerschaft vertiefte sich schrittweise: 2014 übernahm Marchesi Antinori Weinberg und Kellereioperationen, 2017 folgte die vollständige Akquisition durch die Toskaner.
Organischer Anbau am Fuß der Kordillere
Die Weinberge liegen in der Subregion Pirque, rund 30 Kilometer südlich von Santiago, an den unteren Andenhängen der Cordillera de los Andes — auf rund 120 Hektar Rebfläche, die ausschließlich für das Gut selbst bewirtschaftet werden. Alle Trauben kommen aus dem eigenen Bestand; Zukauf gibt es nicht. Die Umstellung auf organischen Anbau begann 2006 im Maipo-Andes-Sektor und wurde 2016 abgeschlossen. Seither setzt das Gut auf organische Düngung, konsequentes Canopy-Management ab Oktober und Bewässerung über Tröpfchensysteme. Die Lese erfolgt ausnahmslos von Hand; die Trauben werden vor der Verarbeitung einzeln sortiert. Albiera Antinori, die heutige Gesichtsfigur des Projekts und Namensgeberin des Albis, hat sich öffentlich zu organischer Bewirtschaftung als zentralem Qualitätshebel bekannt.
Das geschwungene Kellereigebäude in Hufeisenform liegt auf einer Anhöhe mit Blick auf Tal und Gebirge — ein Entwurf, der Funktion und Symbolik vereint: Die Form erinnert an die Pferderennbahn, die das Anwesen nach wie vor umschließt.
Toskanische Handschrift, chilenischer Charakter: das Sortiment
Im Mittelpunkt steht Albis, eine Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Carménère — der erste Wein, den die Antinoris in Chile produzierten, und bis heute das Aushängeschild des Guts. Daneben zeigt das Sortiment die volle Bandbreite der Subregion: Hussonet, ein Cabernet Sauvignon Gran Reserva, der zwölf Monate in französischen Eichenfässern reift und anschließend weitere zwölf Monate auf der Flasche; Galantas, ein Cabernet Franc Gran Reserva aus biologischem Anbau; Ecràl, ein sortentypischer Carménère; sowie Pitío de Haras de Pirque, dessen Name sich vom Mapuche-Wort für den chilenischen Specht ableitet — ein Zeichen für über zwanzig Jahre Forschung im Maipo-Andes-Terroir. Die Reserva de Propiedad rundet das Spektrum nach oben ab. Allen Weinen gemeinsam ist die biologisch bewirtschaftete Herkunft, die klar andine Prägung — Struktur, Mineralität, Kräuterwürze — und der Anspruch, toskanische Kellerhandschrift mit dem Ausdruckspotenzial des Maipo Valley zu verbinden.