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Über Domäne Wachau
Von der Starhemberg-Domäne zur Genossenschaft neu gedacht
Die Geschichte der Domäne Wachau reicht urkundlich bis ins Jahr 1137 zurück, als das Weingut der Herrschaften von Dürnstein erstmals schriftlich erwähnt wurde. Die Besitzer wechselten über Jahrhunderte – darunter für kurze Zeit auch die Habsburger –, bis das Gut in den Besitz der Familie Starhemberg gelangte. Um 1790 kauften die Starhemberger die Weingärten und das Kellerschlössel aus dem Nachlass des säkularisierten Chorherrenstiftes Dürnstein. Den entscheidenden Wendepunkt brachte das Jahr 1938: Ernst Rüdiger von Starhemberg verkaufte die Domäne an die Weingartenpächter, woraus die Winzergenossenschaft Wachau entstand. 1990 firmierte der Betrieb unter dem Namen „Freie Weingärtner Wachau", bevor 2008 die heutige Bezeichnung Domäne Wachau eingeführt wurde. Sitz ist Dürnstein – am Fuße des legendären Kellerbergs, mitten im UNESCO-Weltkulturerbe Wachau.
Genossenschaft als Qualitätsmodell: 200 Weinhauer:innen, eine Handschrift
Was Roman Horvath MW als Weingutsleiter und Heinz Frischengruber als Kellermeister in den vergangenen zwei Jahrzehnten aufgebaut haben, ist kein klassisches Genossenschaftsmodell – es ist ein Gegenentwurf dazu. Rund 200 Weinhauer:innen bewirtschaften ihre Parzellen eigenverantwortlich, im Schnitt weniger als zwei Hektar pro Betrieb, weitgehend von Hand. Kein Arbeitsschritt auf den gemauerten Steilterrassen ist maschinell zu erledigen; Handlese und gezielte Selektion sind gesetzt. Kellermeister Frischengruber begleitet die Weinhauer:innen dabei als Mentor, jede Parzelle hat ein definiertes Bearbeitungskonzept. Im Keller arbeitet die Domäne nach dem Prinzip des „kontrollierten Nichtstuns": möglichst wenig Eingriff in die Weinwerdung, damit Herkunft, Jahrgang und Sorte so präzise wie möglich ablesbar bleiben. Über 150 Hektar werden bereits biologisch bewirtschaftet; das Ziel ist 100 %. Biodiversität, Bodenbegrünung und Verzicht auf Herbizide sind dabei keine Marketingformeln, sondern Voraussetzung für die Lagenpflege in einem Natura-2000-Schutzgebiet.
Ein zentrales Anliegen ist auch die wirtschaftliche Fairness: Die Domäne strebt einen gerechten Traubenpreis an, der die schwierigen Arbeitsbedingungen in den Terrassenlagen und den Erhalt der Kulturlandschaft abgilt. Das Altweinarchiv, das bis ins Jahr 1947 zurückreicht, unterstreicht das langfristige Denken des Hauses.
Grüner Veltliner und Riesling in allen Wachauer Stufen – vom Terrassen-Federspiel bis zum Smaragd der Toplagen
Grüner Veltliner und Riesling bilden das Rückgrat des Sortiments, erzeugt in allen drei Wachauer Prädikatsstufen: Steinfeder, Federspiel und Smaragd. Die Terrassen-Linie versammelt Cuvées von kleinsten Urgesteins-Parzellen, deren Einzelausbau flächenmäßig nicht sinnvoll wäre – herkunftsbetont, trinkfreudig, zugänglich. Die Rieden-Weine gehen einen Schritt tiefer: Einzellagen wie Achleiten, Kellerberg, Loibenberg oder Kaiserberg werden separat ausgebaut, jede mit ihrer eigenen geologischen Signatur aus Gneis, Schiefer oder Löss. Die kargen Urgesteinsböden zwingen die Reben tief zu wurzeln; was sie von dort heraufbringen, ist mineralische Dichte und eine Säurestruktur ohne Kanten. Die Backstage-Serie ergänzt das Programm mit Weinen abseits klassischer Wachauer Stile – spontan vergoren, ausgebaut in Amphoren, Betonei oder Granit- und Marmorfässern, unfiltriert abgefüllt. Ausgezeichnet wurde die Domäne unter anderem als „International Winery of the Year" und 2024 mit dem Falstaff-Titel „Winzer des Jahres".
Ausgezeichnete Weine

Domäne Wachau –
Terrassenlagen, Urgestein und zwei Rebsorten in Reinform
Die Domäne Wachau ist keine gewöhnliche Genossenschaft. 200 Weinhauer:innen bewirtschaften gemeinsam rund 400 Hektar Terrassenlagen entlang der Donau – Steillagen auf Urgestein, gehalten von Trockensteinmauern, die seit Jahrhunderten dem Fluss trotzen. Jede Parzelle wird per Hand bearbeitet, weil Maschinen hier schlicht nicht hingelangen. Das Ergebnis sind Grüner Veltliner und Riesling, die das Terroir der Wachau so direkt ins Glas übersetzen, wie es kaum ein anderes Weingut der Region schafft.
Unter der Leitung von Roman Horvath MW und Heinz Frischengruber hat die Domäne einen Stil gefunden, der auf Purismus setzt: keine Überarbeitung, keine Ablenkung vom Ort. Die Weine folgen dem Vinea Wachau-Klassifikationssystem – Steinfeder, Federspiel, Smaragd – und zeigen je nach Lage und Jahrgang, was Löss, Gneis und Glimmerschiefer aus Riesling und Veltliner herausholen können. 160 der 400 Hektar werden bereits biologisch bewirtschaftet, das erklärte Ziel ist 100 Prozent.
Dass die Domäne 2024 von Falstaff zum Winzer des Jahres gekürt wurde und zu den Top 20 der World's Best Vineyards zählt, überrascht wenig, wenn man die Weine kennt. Wer einen Smaragd aus der Ried Achleiten oder einen Federspiel vom Loibenberg im Glas hat, versteht, warum diese Kombination aus Gemeinschaftsarbeit, Handwerk und außergewöhnlichem Boden so selten ist.





























