Drei Generationen, ein Fleck Erde im Herzen der Loire
Wer das Domaine La Barbotaine verstehen will, muss drei Namen kennen: Louis Champault, sein Sohn Roland und dessen Sohn Frédéric. Alle drei waren und sind Winzer auf demselben Hügel bei Crézancy-en-Sancerre, einem Weiler im südwestlichen Teil der Appellation, rund 200 Kilometer südlich von Paris an der Loire. Frédéric ließ sich 1994 auf dem Familiengut nieder und arbeitete zunächst Seite an Seite mit seinen Eltern. Mit der Zeit übernahm er zusätzlich die Weinberge seines Schwiegervaters Lucien Dauny, der ebenfalls in La Barbotaine – Ortsteil Les Épinières – Reben bewirtschaftet hatte. Aus zwei Familienerbschaften wurde so ein einziges, gewachsenes Weingut.
Terroir-Vielfalt auf 18 Hektar: Kiesel, Kalk und rote Erde
Das Weingut bewirtschaftet heute 18 Hektar, aufgeteilt auf mehrere Parzellen rund um das Gut auf den gut exponierten Hügeln von Crézancy. Diese Streuung ist kein Zufall, sondern Programm: Jede Lage bringt einen anderen Bodentyp mit. Rund 80 Prozent der Rebfläche ist mit Sauvignon Blanc bestockt, der auf zwei grundverschiedenen Untergründen wächst: argilo-calcaires, also tonig-kalkige Böden, die Struktur und Tiefe liefern, und sogenannte Caillotes – kleine weiße Kieselsteine, die dem Wein Finesse und fruchtigen Ausdruck geben. Pinot Noir steht auf roten Eisenerdeböden und ebenfalls auf Caillotes. Frédéric verbindet bei der Vinifikation handwerkliche Tradition mit gezielt eingesetzten modernen Methoden; die Weißwein-Gärung findet in der von Roland Champault erbauten Hauptkaverne statt, ein zweiter Keller übernimmt Ausbau, Abfüllung und Versand.
Sancerre in seiner klarsten Form: Blanc, Rouge und Rosé
Das Sortiment konzentriert sich ausschließlich auf die AOC Sancerre in allen drei Farben. Der Blanc – Grundlage der meisten Jahrgänge im Keller von Frédéric – zeigt, was die Terroir-Mischung aus Kiesel und Kalk leisten kann: Zitrusfrüchte, weiße Blüten und eine mineralische Linie im Abgang, die typisch für die Caillotes-Lagen des südwestlichen Sancerre ist. Die Struktur ist dicht genug für Speisen mit Substanz – gegrillter Fisch, Ziegenkäse aus der Loire, cremige Comté-Varianten – und frisch genug für den unkomplizierten Abend ohne Anlass. Wer Sancerre als Appellation schätzt, findet bei La Barbotaine eine handwerklich saubere, familiengeführte Adresse ohne Schnörkel: Trinktemperatur 8–10 °C, direkt aus dem Keller oder nach kurzer Rast im Kühlschrank.