Vom Taubenschlag an der Sanguèze: eine Geschichte von mehr als 160 Jahren
Das Domaine du Colombier wurzelt tief im Boden des Muscadet. Seinen Anfang nahm das Weingut im frühen 19. Jahrhundert in Tillières, einem Ort, der heute zur Gemeinde Sèvremoine gehört und genau an der Grenze zwischen dem Muscadet-Gebiet und den Mauges liegt. Was als einfache Feldscheune begann – aufgeteilt in Keller und Pferdestall – ist über vier Generationen zum strukturierten Familienbetrieb gewachsen. Seit Ende 1996 trägt Jean-Yves Bretaudeau die Verantwortung, die sein Vater ihm übergab. Die alten Gewölbekeller aus Naturstein stehen noch heute, seit den 1980er-Jahren dienen sie ausschließlich der Weinbereitung und Reifung.
Das Domaine du Colombier ist seit mehr als 30 Jahren Mitglied der Vignerons Indépendants – ein Bekenntnis zum eigenständigen Handwerk, das keine Kooperative und keinen Händler zwischen Winzer und Flasche treten lässt.
Nah an der Natur: HVE-Zertifizierung und konsequente Weinbergsarbeit
Rund 35 Hektar Rebfläche erstrecken sich über die besten Hänge der Sanguèze, auf Böden aus Schiefer und Gabbro. Der Betrieb arbeitet nach den Grundsätzen des viticulture raisonnée und ist als Haute Valeur Environnementale (HVE) Stufe 3 zertifiziert – die höchste Stufe des französischen Nachhaltigkeitsprogramms. Konkret bedeutet das: eine gezielte Strategie zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, der Einsatz von Pheromon-Verwirrtechnik anstelle von Insektiziden sowie eine deutliche Senkung der Fungiziddosierungen. Die Leitlinie lautet, der Rebe durch Blattdüngung eine eigene Widerstandskraft zu ermöglichen – mit täglichen Beobachtungen im Weinberg statt schematischer Behandlung. Die Ernte erfolgt maschinell mit eingebautem Sortiertisch.
Im Keller reifen ausgewählte Cuvées in Eichenfässern zwischen sieben und 36 Monaten – für die großen Lagen mit Langzeitpotenzial. Die Produktionsmenge des Domaine liegt bei rund 100.000 Flaschen jährlich, die in mehr als 15 Länder exportiert werden, darunter die USA, Kanada, Australien und mehrere europäische Märkte.
Melon de Bourgogne als Herzstück – und eine Rebsortensammlung, die überrascht
Das Sortiment des Domaine du Colombier reicht weit über den klassischen Muscadet Sèvre & Maine Sur Lie hinaus. Melon de Bourgogne bleibt die dominierende Sorte, doch Jean-Yves Bretaudeau kultiviert auf seinen Schiefer- und Gabbro-Böden eine bemerkenswert breite Palette: Sauvignon Blanc, Sauvignon Gris, Chardonnay, Pinot Gris, Merlot, Gamay, Cabernet Franc, Cabernet Sauvignon – und seltene Raritäten wie Fié Gris, Grolleau Gris, Gewurztraminer und Colombard. Die zwei Muscadet-Crus Mouzillon-Tillières und Vallet stehen für die ernsthafte, lagerfähige Seite des Betriebs. Beide Lagen liegen im Kerngebiet der AOC und bringen Weine mit merklicher Mineralität und Tiefe. Wer den Einstieg sucht, findet ihn in der klassischen Cuvée des Deux Colombes Sur Lie: frisch, geradlinig, mit zitrusfruchtiger Nase und dem feinen Perlhorizont, den nur der lange Hefelagerausbau bringt.